Nachruf auf Dr. Ondrej Pöss: Der VLÖ trauert um eine Schlüsselfigur der karpatendeutschen Gemeinschaft

Mit tiefer Trauer und großer Dankbarkeit nimmt der Verband der deutschen altösterreichischen Landsmannschaften in Österreich (VLÖ) Abschied von Dr. Ondrej Pöss. Der langjährige Vorsitzende des Karpatendeutschen Vereins (KDV) in der Slowakei und Gründungsdirektor des Museums der Kultur der Karpatendeutschen ist am 20. April 2026 nach schwerer Krankheit im Alter von 75 Jahren verstorben.

Dr. Ondrej Pöss wurde 2017 in Pressburg mit der Silbernen Ehrennadel des VLÖ ausgezeichnet.

„Wir verlieren mit Dr. Ondrej Pöss nicht nur einen hochgeschätzten Experten und Wissenschaftler, sondern vor allem einen treuen Freund und einen unermüdlichen Brückenbauer in Europa“, würdigen VLÖ-Präsident Ing. Norbert Kapeller und die Obfrau der Karpatendeutschen Landsmannschaft in Österreich, Christine Lehr, gemeinsam mit den VLÖ-Vorstandsmitgliedern den Verstorbenen. Sein Wirken war über Jahrzehnte hinweg die tragende Säule für den Erhalt der karpatendeutschen Identität und Kultur in der Slowakei.

Ein Leben für das kulturelle Erbe

Dr. Pöss verstand es wie kaum ein anderer, die Geschichte der deutschen Minderheit in der Slowakei für eine breite Öffentlichkeit sichtbar zu machen. Sein Name bleibt untrennbar mit dem Aufbau des Museums der Kultur der Karpatendeutschen in Preßburg (Bratislava) verbunden. Durch seine wissenschaftliche Arbeit und seine Gabe zur Vermittlung schuf er Orte der Begegnung und des Gedenkens, die weit über nationale Grenzen hinaus ausstrahlen.

Enger Weggefährte des VLÖ

Die Verbundenheit zum VLÖ war geprägt von tiefem Vertrauen und gemeinsamer Tatkraft. Ein besonderes Zeugnis dieser Zusammenarbeit war das 17. VLÖ-Volksgruppensymposium 2017 in Pressburg, das Dr. Pöss unter dem Leitmotiv „Versöhnung braucht Wahrheit“ gemeinsam mit Erika König maßgeblich mitgestaltete. Für sein „nimmermüdes Engagement im Sinne der Belange der karpatendeutschen Volksgruppe“ wurde ihm in diesem feierlichen Rahmen die „Silberne Ehrennadel des VLÖ“ verliehen – eine Auszeichnung, die seinen unermüdlichen Einsatz für die Gemeinschaft würdigte.

Stimme der Versöhnung

Dr. Pöss war ein Mann des Dialogs. Ob bei der Ausarbeitung der „Pressburger Resolution“ oder im Rahmen von Gedenkfeiern wie am Mahnmal am Braunsberg – stets suchte er den Weg der Verständigung und des geschichtlichen Ausgleichs. Sein Bestreben, die deutsche Minderheit als aktive und gestaltende Kraft in der Gesellschaft zu positionieren, bleibt ein bleibendes Vorbild für die Volksgruppenarbeit.

„Ondrej Pöss hinterlässt eine schmerzliche Lücke in unseren Reihen. Seine menschliche Wärme, sein Humor und seine kluge Besonnenheit werden uns fehlen“, so Kapeller und Lehr abschließend. „Sein Lebenswerk ist jedoch fest in unseren Herzen und in den Institutionen, die er geschaffen hat, verankert.“ Der VLÖ spricht der Trauerfamilie sein tief empfundenes Beileid aus.

Abschied von einer Brückenbauerin: In Gedenken an Veronika Haring

Mit tiefer Betroffenheit und großer Trauer hat der VLÖ die schmerzliche Nachricht vernommen, dass Veronika Haring am 2. Januar 2026 – nur wenige Tage vor ihrem 78. Geburtstag – nach kurzer, schwerer Krankheit für immer von uns gegangen ist.

Veronika Haring, geboren am 9. Januar 1948 in den Windischen Büheln, war die langjährige Obfrau des Kulturvereins deutschsprachiger Frauen »Brücken« in Marburg/Maribor. Ihr Tod reißt eine tiefe Wunde und hinterlässt einen Platz in unserer Mitte, der leer bleiben wird.

Veronika Haring

Sie war weit mehr als eine Funktionärin – sie war das Herz und die unersetzliche Säule der deutschsprachigen Volksgruppe in der Untersteiermark. Ihr Lebensweg zeugt von einer tiefen Hingabe an Sprache und Kultur: Nach Jahren in Graz, wo sie ihre Deutschkenntnisse perfektionierte, wirkte sie jahrzehntelang als Buchhändlerin und spätere Geschäftsführerin in Marburg. Ihre Liebe zur Literatur und ihr professioneller Hintergrund bildeten das Fundament für ihr späteres, weitreichendes kulturelles Wirken.

Als unermüdliche Kämpferin setzte sie sich zeitlebens mit Leidenschaft für die offizielle Anerkennung der deutschsprachigen Minderheit in Slowenien ein. Sie war eine Brückenbauerin par excellence, die es verstand, Gräben zwischen Kulturen, Sprachen und Generationen zu überwinden – eine Haltung, die sie auch durch ihre Vernetzung mit europäischen Verantwortungsträgern und Minderheitenvertretern lebte.

Im Jahr 2000 war sie Mitbegründerin des Kulturvereins »Frauen Brücken«. Unter ihrer visionären Führung entwickelte sich dieser Verein zu einer Institution, deren Bedeutung weit über die Landesgrenzen hinausreichte. Sie initiierte nicht nur Sprach- und Computerkurse sowie den international renommierten Kammerchor »Hugo Wolf«, sondern gab auch zweisprachige Jahrbücher heraus. Ein besonderer Meilenstein war ihr 2018 veröffentlichtes Werk »Das zweite Gesicht Marburgs: die verschwiegenen Gestalter der Marburger Kultur«, mit dem sie vergessenen Persönlichkeiten der Stadt ein Denkmal setzte.

Für ihre außerordentlichen Verdienste wurde Veronika Haring vielfach geehrt. Sie trug das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich (2018), das Goldene Ehrenzeichen des Landes Steiermark (2015) sowie den Mérite Européen in Silber (2016). Auch die Stadt Marburg würdigte sie 2021 mit der Ehrenmitgliedschaft im Bund der Kulturvereine.

Was bleibt, ist ein sichtbares und dauerhaftes Vermächtnis. Veronika Haring hat entscheidend dazu beigetragen, die kulturelle und muttersprachliche Gleichberechtigung voranzutreiben und die Identität der deutschsprachigen Minderheit in Slowenien zu bewahren.

Der gesamte VLÖ-Vorstand verneigt sich in Dankbarkeit vor ihrer Lebensleistung und spricht ihrer Familie – den zwei Töchtern und vier Enkelkindern – sein tief empfundenes Beileid aus. Wir werden Veronika Haring stets ein ehrendes Andenken bewahren.

Der VLÖ zeigt sich tief betroffen über den Tod von Gerhard Zeihsel

Der Ehrenobmann des Sudetendeutschen Landsmannschaft in Österreich (SLÖ) verstarb am Freitag, den 12. April 2024.

„Gestern hat uns die traurige Nachricht ereilt, dass Gerhard Zeihsel von uns gegangen ist“, zeigt sich VLÖ-Präsident Ing. Norbert Kapeller gemeinsam mit seinen VLÖ-Vorstandskolleginnen und -kollegen, zuvorderst SLÖ-Bundesobmann DDr. Rüdiger Stix, tief
betroffen über das Ableben des langjährigen Vorsitzenden der Sudetendeutschen Landsmannschaft in Österreich (SLÖ), der auch über Jahre die Funktion des Vizepräsidenten des Verbandes der deutschen altösterreichischen Landsmannschaften in Österreich (VLÖ)
bekleidete sowie als Vorstandsmitglied der Stiftung der deutschsprachigen Heimatvertriebenen fungierte.

„Gerhard Zeihsel, dessen Vater aus Damitz in Südmähren und seine Mutter aus Brünn-Kumrowitz abstammten, wurde am 21. Dezember 1939 in Wien geboten. In den 1950er Jahren zeigte er schon ehrenamtliches Engagement in der Sudetendeutschen Jugend Österreichs und war über Jahrzehnte in vielerlei Funktionen in der Sudetendeutschen Landsmannschaft tätig, deren Vorsitz er im September 2000 in der Nachfolge von Karsten Eder übernahm. Darüber hinaus war unter anderem auch als Mitglied des Sudetendeutschen Rates in München sowie als Vizepräsident der Bundesversammlung der Sudetendeutschen Landsmannschaft tätig“, so Kapeller und Stix gemeinsam über ihren Freund und Weggefährten. „In den vergangenen Jahren widmete er sich dabei noch immer unermüdlich insbesondere der Pressearbeit, wobei natürlich der Sudetendeutsche Pressedienst (SdP) und insbesondere die Sudetenpost seine bekannten Steckenpferde waren. Und so setzte er wahrlich seine gesamte Kraft dafür ein, dass das an den sudetendeutschen
Heimatvertriebenen begangene Unrecht nicht in Vergessenheit gerät und dass nach wie vor offene Fragen der Entschädigung immer wieder mit entsprechendem Nachdruck thematisiert wurden“, so die beiden gemeinsam über Gerhard Zeihsel, der bis zuletzt ebenfalls noch die Funktion des Obmannes des Sudetendeutschen Pressevereines bekleidete.

„Noch gestern erwarteten wir unseren Freund Gerhard zu einer noch von ihm mitorganisierten Veranstaltung der ‚Charles-Sealsfield-Gesellschaft’ im Festsaal des Hauses der Heimat. Doch leider kam es nicht mehr dazu“, so Kapeller in tiefer Trauer, der mit seiner Gattin Bettina für ein würdevolles Blumenarrangement sorgte und gemeinsam mit den Anwesenden im vollbesetzten Saal Gerhard Zeihsel die letzte Ehre erwies.

„Unser sudetendeutscher Landsmann Gerhard Zeihsel hat für immer die Augen geschlossen, er lebt aber in Gedanken und im Herzen seiner Freunde und Weggefährten weiter, die sich in Demut von ihm verabschieden und ihm ein Dankeschön für die gemeinsame Zeit nachrufen. Im Namen des gesamten Vorstandes und der Gemeinschaft der Heimatvertriebenen sprechen wir seiner Gattin Reinhilde und seinen Angehörigen unser tiefstes Mitgefühl aus“, zeigen sich VLÖ-Präsident Norbert Kapeller und SLÖ-Bundesobmann DDr. Rüdiger Stix tief betroffen über das plötzliche Ableben eines großen Sudetendeutschen.