Abschied von einer Brückenbauerin: In Gedenken an Veronika Haring

Mit tiefer Betroffenheit und großer Trauer hat der VLÖ die schmerzliche Nachricht vernommen, dass Veronika Haring am 2. Januar 2026 – nur wenige Tage vor ihrem 78. Geburtstag – nach kurzer, schwerer Krankheit für immer von uns gegangen ist.

Veronika Haring, geboren am 9. Januar 1948 in den Windischen Büheln, war die langjährige Obfrau des Kulturvereins deutschsprachiger Frauen »Brücken« in Marburg/Maribor. Ihr Tod reißt eine tiefe Wunde und hinterlässt einen Platz in unserer Mitte, der leer bleiben wird.

Veronika Haring

Sie war weit mehr als eine Funktionärin – sie war das Herz und die unersetzliche Säule der deutschsprachigen Volksgruppe in der Untersteiermark. Ihr Lebensweg zeugt von einer tiefen Hingabe an Sprache und Kultur: Nach Jahren in Graz, wo sie ihre Deutschkenntnisse perfektionierte, wirkte sie jahrzehntelang als Buchhändlerin und spätere Geschäftsführerin in Marburg. Ihre Liebe zur Literatur und ihr professioneller Hintergrund bildeten das Fundament für ihr späteres, weitreichendes kulturelles Wirken.

Als unermüdliche Kämpferin setzte sie sich zeitlebens mit Leidenschaft für die offizielle Anerkennung der deutschsprachigen Minderheit in Slowenien ein. Sie war eine Brückenbauerin par excellence, die es verstand, Gräben zwischen Kulturen, Sprachen und Generationen zu überwinden – eine Haltung, die sie auch durch ihre Vernetzung mit europäischen Verantwortungsträgern und Minderheitenvertretern lebte.

Im Jahr 2000 war sie Mitbegründerin des Kulturvereins »Frauen Brücken«. Unter ihrer visionären Führung entwickelte sich dieser Verein zu einer Institution, deren Bedeutung weit über die Landesgrenzen hinausreichte. Sie initiierte nicht nur Sprach- und Computerkurse sowie den international renommierten Kammerchor »Hugo Wolf«, sondern gab auch zweisprachige Jahrbücher heraus. Ein besonderer Meilenstein war ihr 2018 veröffentlichtes Werk »Das zweite Gesicht Marburgs: die verschwiegenen Gestalter der Marburger Kultur«, mit dem sie vergessenen Persönlichkeiten der Stadt ein Denkmal setzte.

Für ihre außerordentlichen Verdienste wurde Veronika Haring vielfach geehrt. Sie trug das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich (2018), das Goldene Ehrenzeichen des Landes Steiermark (2015) sowie den Mérite Européen in Silber (2016). Auch die Stadt Marburg würdigte sie 2021 mit der Ehrenmitgliedschaft im Bund der Kulturvereine.

Was bleibt, ist ein sichtbares und dauerhaftes Vermächtnis. Veronika Haring hat entscheidend dazu beigetragen, die kulturelle und muttersprachliche Gleichberechtigung voranzutreiben und die Identität der deutschsprachigen Minderheit in Slowenien zu bewahren.

Der gesamte VLÖ-Vorstand verneigt sich in Dankbarkeit vor ihrer Lebensleistung und spricht ihrer Familie – den zwei Töchtern und vier Enkelkindern – sein tief empfundenes Beileid aus. Wir werden Veronika Haring stets ein ehrendes Andenken bewahren.