Wanderausstellung „Die Schönbornfranken – Von Franken nach Transkarpatien“ im Wiener „Haus der Heimat“ eröffnet

Wien – Am Donnerstag, den 25. Juni 2026, wurde im feierlichen Rahmen des „Hauses der Heimat“ in Wien die Wanderausstellung „Die Schönbornfranken – Von Franken nach Transkarpatien“ eröffnet. Die Veranstaltung, die in enger Kooperation zwischen dem Verband der deutschen altösterreichischen Landsmannschaften in Österreich (VLÖ), der Stiftung Verbundenheit mit den Deutschen im Ausland und der Paneuropabewegung Österreich realisiert wurde, bot den anwesenden Gästen und Vertretern der Landsmannschaften einen tiefen Einblick in eine weitgehend unbekannte deutsche Minderheitsgeschichte. Die Ausstellung beleuchtet die rund 300-jährige, wechselvolle Geschichte der deutschen Gemeinschaft in der westukrainischen Region Transkarpatien (Karpatenukraine) und schlägt gleichzeitig den Bogen zur gegenwärtigen, von schwerer Not geprägten humanitären Situation vor Ort.

Bildtext: Im Bild (v.l.n.r.): Rainhard Kloucek (Paneuropabewegung Österreich); Sebastian Machnitzke (Stiftung Verbundenheit), Mag. Gerhard Schiestl (VLÖ-Vizepräsident),
Ing. Norbert Kapeller (VLÖ-Präsident), Hartmut Koschyk (Stiftung Verbundenheit); Dr. Rüdiger Stix (VLÖ-Vizepräsident)

Feierliche Eröffnung und das Grußwort aus der Ukraine

VLÖ-Präsident Norbert Kapeller hieß die Gäste im „Rudolf-Reimann-Saal“ herzlich willkommen und unterstrich in seiner Eröffnungsrede die tiefe historische Verwurzelung der altösterreichischen und deutschen Gemeinschaften in Ost- und Mitteleuropa. Kapeller hob hervor, dass Transkarpatien mit seiner multikulturellen Struktur – geprägt von österreichischen, ungarischen, rumänischen, ukrainischen und deutschen Einflüssen – seit jeher ein europäisches Musterbeispiel für friedliches Zusammenleben darstelle.

Besonders emotional gestaltete sich das Verlesen des Grußwortes von Julia Tayps, der stellvertretenden Bürgermeisterin der Stadt Mukatschewo, Leiterin des dortigen „Deutschen Hauses“ und zentralen Vertreterin der deutschen Gemeinschaft in der Ukraine. Frau Tayps musste ihre Teilnahme an der gestrigen Veranstaltung kurzfristig absagen, übermittelte jedoch eine kraftvolle Botschaft, die von Norbert Kapeller vorgetragen wurde.

In ihrem Grußwort erinnerte Tayps an den geschichtlichen Ursprung, als Graf Schönborn im 18. Jahrhundert nach verheerenden Kriegen und Seuchen gezielt deutsche Siedler, Handwerker und Landwirte in das damalige Oberungarn rief: „Sie brachten nicht nur ihre Sprache und Kultur mit, sondern auch handwerkliche Fähigkeiten, landwirtschaftliche Kenntnisse und eine besondere Arbeitskultur.“ Heute verstehe sich das 2018 gegründete und seit 2023 in einer eigenen Immobilie untergebrachte „Deutsche Haus“ in Mukatschewo als lebendiges Zentrum für Sprachkurse, Kultur- und Jugendprojekte sowie als unentbehrlicher Ankerpunkt für humanitäre Hilfe inmitten des anhaltenden russischen Angriffskrieges.

Ausstellungspräsentation durch Hartmut Koschyk: Von der historischen Kolonisation zur „Humanitären Brücke“

Die inhaltliche Einführung in die Ausstellung übernahm Hartmut Koschyk, ehemaliges Mitglied des Deutschen Bundestages und Bundesbeauftragter für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten. Koschyk, der auch der Stiftung Verbundenheit vorsteht, führte das Publikum anhand einer detaillierten Präsentation durch die historischen Meilensteine der Schönbornfranken:

  • Die Ursprünge: Beginnend mit dem Reichserzkanzler Lothar Franz von Schönborn und dessen Nachfolger Friedrich Karl von Schönborn, die ab den 1720er-Jahren gezielt mainfränkische Familien zur Ansiedlung bewegten, um die Region wirtschaftlich zu beleben. Missernten, Armut und hohe Kindersterblichkeit in der fränkischen Heimat trieben die Menschen ab 1730 zur Auswanderung an, gelockt durch die Gewährung von kostenlosem Baumaterial und dreijähriger Steuerfreiheit.
  • Blütezeit und Tragödie: Koschyk zeichnete den Weg über die wirtschaftliche Blütezeit im späten 18. Jahrhundert (mit vorindustriellen Großbetrieben, Textil- und Forstwirtschaft) bis hin zu den tiefen Einschnitten des 20. Jahrhunderts nach. Nach dem Einmarsch der Roten Armee wurden rund 8.000 der knapp 14.000 Karpatendeutschen deportiert – ein schweres historisches Trauma, das die Gemeinschaft bis heute prägt.
  • Die heutige Brückenfunktion und akute Hilfe: Heute zählt die deutsche Minderheit in der gesamten Ukraine etwa 33.000 Mitglieder, koordiniert durch den Rat der Deutschen der Ukraine (RDU).

Koschyk verdeutlichte eindringlich, dass die historische Aufarbeitung kein reiner Selbstzweck ist. Auf Initiative der Stiftung Verbundenheit und mit Unterstützung aus Haushaltsmitteln des Deutschen Bundestages konnten zukunftsweisende Projekte umgesetzt werden. So wurde das „Deutsche Haus“ in Mukatschewo jüngst mit einer modernen Solaranlage als „Sonnendach“ ausgestattet, um den regelmäßigen, kriegsbedingten Stromausfällen im Winter zu trotzen und die Fortführung der humanitären Verteilungsprozesse zu garantieren.

Darüber hinaus berichtete Koschyk von der „Humanitären Brücke Oberfranken – Transkarpatien“. Über Aktionen wie „Sternstunden – Wir helfen Kindern“ flossen beispielsweise Fördergelder in Höhe von 36.000 Euro in das Kinderkrankenhaus Mukatschewo, um dringend benötigte medizinische Geräte, Ultraschallgeräte, Krankenbetten sowie physiotherapeutisches Equipment für behinderte Kinder zu beschaffen. Auch die kulturelle Dimension kam zur Sprache, etwa durch das „Bayreuther Fastenessen 2025“, bei dem der römisch-katholische Bischof Mykola Petro Luchok aus Mukatschewo über das interethnische Zusammenleben referierte.

Authentische Berichte direkt aus der Ukraine

Den bewegenden Abschluss des offiziellen Teils bildete das Wort der ukrainisch-deutschen Journalistin und Filmemacherin Lene Dej, die für die Ausstellungseröffnung eigens aus Uschgorod nach Wien gereist war. Dej gab den Gästen einen ungeschminkten, tiefgehenden Einblick in den Alltag der Menschen vor Ort und schilderte, unter welchen psychischen und logistischen Belastungen das kulturelle und soziale Leben der Minderheit aufrechterhalten wird. Sie dankte den österreichischen und deutschen Partnern für das unermüdliche Engagement, das weit über symbolische Gesten hinausgehe und den Menschen in der Ukraine wertvolle Hoffnung und tatkräftige Lebenshilfe spende.

Fazit und Ausstellungsdetails

Die Wanderausstellung, die auf der wissenschaftlichen Forschungsarbeit des Historikers    Dr. Rudolf Distler fußt und von der Stiftung Verbundenheit populärwissenschaftlich aufbereitet wurde, war bereits in mehreren deutschen Städten wie München, Bamberg und Würzburg zu sehen. Sie zeigt eindrucksvoll, wie aus historischen Migrationsbewegungen lebendige, europäische Partnerschaften erwachsen, die gerade in Krisenzeiten wie den heutigen eine unersetzliche Säule der Solidarität bilden.

Öffnungszeiten der Ausstellung

Die Ausstellung kann bis zum Herbst im „Rudolf-Reimann-Saal“ des „Hauses der Heimat“ von Montag bis Donnerstag jeweils von 9 bis 12 Uhr und von 13 bis 16 Uhr besichtigt werden. Bitte berücksichtigen Sie allfällige Schließtage während der Sommerpause, die aber noch rechtzeitig bekanntgegeben werden. Gerne empfehlen wir Ihnen eine vorherige Kontaktaufnahme mit dem VLÖ-Sekretariat unter 01/7185905 bzw. sekretariat@vloe.at wenn Sie die Ausstellung (auch zu gesonderten Zeiten) besuchen möchten.