Versöhnungsmesse in der Wiener Karlskirche: Ein Meilenstein des gemeinsamen Gedenkens

VLÖ-Präsident Norbert Kapeller dankt dem Prager Erzbischof Stanislav Přibyl, Rektor P. Marek Pučálík sowie allen Mitwirkenden und Gläubigen für ein bewegendes Zeichen der christlichen Vergebung und grenzüberschreitenden Verständigung.

Am vergangenen Samstag, dem 26. September 2026, fand in der festlich gefüllten Wiener Karlskirche eine historische Versöhnungsmesse statt. Auf Einladung des Kreuzherrenordens mit dem Roten Stern sowie des Verbandes der deutschen altösterreichischen Landsmannschaften in Österreich (VLÖ), zelebrierte der Primas von Böhmen und Prager Erzbischof, S. Exz. Stanislav Přibyl CSsR, ein feierliches Pontifikalamt.

Tiefer Dank für gelebte Versöhnung und geistliche Verbundenheit

Im Namen des gesamten Verbandes und stellvertretend für alle Heimatvertriebenen aus Böhmen, Mähren und Schlesien sowie deren Nachkommen richtet VLÖ-Präsident Norbert Kapeller tief empfundenen Dank an Erzbischof Přibyl:

„Dass dieser Gottesdienst in einer derart würdigen, erhebenden Atmosphäre stattfinden konnte, erfüllt uns mit tiefer Dankbarkeit und Freude. Für unsere Heimatvertriebenen und deren Nachkommen ist Erzbischof Přibyl weit mehr als ein kirchlicher Würdenträger – er ist unser geistlicher Beistand, ein wahrer Förderer des Friedens und ein geschätzter Brückenbauer mitten im Herzen Europas. Mit seinem unermüdlichen Einsatz für das ‚Jahr der Versöhnung‘ beweist er den Mut, Geschichte wahrheitsgetreu, respektvoll und im Geiste christlicher Nächstenliebe aufzuarbeiten.“

Kapeller erinnerte in seiner Ansprache vor den Gläubigen und Ehrengästen – darunter Vertreter der Sudetendeutschen Landsmannschaft aus Bayern um Steffen Hörtler und Andreas Schmalcz sowie der Ackermann-Gemeinde und sudetendeutsche Geistliche – an die jahrhundertelange gemeinsame Geschichte unter dem Dach des Hauses Österreich. Vor rund 500 Jahren bestieg Ferdinand I. die Throne von Böhmen und Ungarn; rund 400 Jahre wuchs ein gemeinsamer mitteleuropäischer Kulturraum, ehe übersteigerter Nationalismus in Katastrophen, Krieg und die Vertreibung von über drei Millionen Sudetendeutschen vor 80 Jahren mündete.

Die Botschaft der Predigt: Gemeinsam die Geschichte erschließen

In seiner vielbeachteten Predigt knüpfte Erzbischof Přibyl an die reiche Symbolik der Karlskirche an – errichtet als Dank nach der Pest als Ort des Heils – und rief zur Heilung jener Wunden auf, die durch Unrecht, Hass und Vertreibung geschlagen wurden.

Mit Bezug auf die böhmischen Kronjuwelen, für deren Krönungskammer er selbst als einer von sieben Schlüsselträgern Verantwortung trägt, fand der Primas ein starkes Gleichnis:

„Keiner von uns besitzt den einzigen Schlüssel zur Geschichte. Niemand kann sagen: Nur meine Erinnerung ist wahr, nur mein Schmerz ist echt. Um die Vergangenheit ganz zu erschließen, brauchen wir auch den Schlüssel des jeweils anderen. Erst wenn wir sie gemeinsam anwenden, öffnet sich der Raum, in dem Wahrheit keine Waffe mehr ist, sondern ein Werkzeug der Versöhnung.“

Přibyl betonte, dass christliche Versöhnung kein Vergessen bedeute, sondern die Überwindung von Schweigen, kollektiver Schuldzuweisung und bequemer Gleichgültigkeit. Sie beginne mit Demut und der Bereitschaft, das Leid des Nächsten wahrzunehmen.

Dank an den Kreuzherrenorden und die musikalische Gestaltung

Ein besonderer Dank gilt dem Hausherrn der Karlskirche, Rektor P. Marek Pučálík O.Cr., sowie dem Kreuzherrenorden mit dem Roten Stern, der seit 1733 die Seelsorge an der Karlskirche versieht und eng mit Prag verbunden ist. Rektor Pučálík hatte in seiner Begrüßung betont, dass das Wachhalten der Erinnerung und das Gedenken an alle Opfer den Sinn für die Gegenwart schärft und die Sorge um eine friedliche Zukunft fördert. Einen unvergleichlichen Rahmen bot die musikalische Darbietung: Chor und Orchester aus dem böhmischen Rychnov nad Kněžnou/ Reichenau an der Knieschna brachten die festliche „Missa solemnis“ des böhmischen Meisters Václav Jan Tomášek zur Aufführung – jene Messe, die 1836 zur Krönung von Kaiser Ferdinand I. zum König von Böhmen erklungen war.

Ein Tag des Gebets, des Friedens und der Begegnung

Nach bewegenden Fürbitten für die Opfer von Krieg und Vertreibung sowie um dauerhafte Heilung, Versöhnung und Frieden zwischen Tschechen, Deutschen und Österreichern klang die Feier bei einer herzlichen Agape aus. Bei tschechischen Spezialitäten und herzlichen Begegnungen fand das Leitmotiv des Tages seinen lebendigen Ausdruck: „Nur wer gemeinsam spricht und einander im Geist der Nächstenliebe begegnet, baut das Fundament für ein geeintes, friedvolles Europa“, so die VLÖ-Verantwortlichen abschließend.

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Bitte verwenden Sie den folgenden Bildnachweis: Fotos: Cynthia Fischer