Die Untersteiermark/Stajerska
Die Untersteiermark liegt heute in der Republik Slowenien und reicht von der Ebene des Pettauer Feldes über die Weinhügel der Windischen Büheln und der Kollos, über das 1500 m hohe Bacherngebirge bis zu den 2300 m hohen Sanntaler Alpen. Die größten Flüsse zwischen Mur und Sawe sind die Drau und die Sann, die größten deutschen Städte waren Marburg/Maribor, Cilli/Celje und Pettau/Ptuj.
Die Untersteiermark war seit dem Jahre 1147 – über 770 Jahre lang – ein Teil des Herzogtums Steiermark. 1919 wurde die Untersteiermark durch das Friedensdiktat von St. Germain ohne Volksabstimmung von der Steiermark abgetrennt und dem neugegründeten Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen zugesprochen.
Die Deutsch-Untersteirer
Bei der Volkszählung 1910 lebten in der Untersteiermark 74.000 Deutsche, vorwiegend in Städten und Märkten. Als Bauern lebten rund 6000 im deutschen Abstallerfeld südlich der Mur und rund 3000 im Drautal und anderen Gegenden. Mit der Abtrennung der Untersteiermark 1919 verloren Tausende Deutsche ihre Arbeitsplätze und Wohnungen und wurden ausgewiesen. Andere wichen freiwillig den slowenischen Beschränkungsmaßnahmen. Das Deutschtum wurde so auf die Hälfte verringert und musste als Minderheit in der Zwischenkriegszeit manche Unterdrückung erleiden.
Vertreibung der Deutsch-Untersteirer 1945/46
Im Verlauf des 2. Weltkrieges wurde die Untersteiermark nach dem Jugoslawien-Feldzug im April 1941 an das Deutsche Reich angeschlossen. Mit der Kapitulation am 8. Mai 1945 wurden alle Deutschen, die nicht rechtzeitig geflohen waren, ins Gefängnis oder in eines der berüchtigten slowenischen Konzentrationslager getrieben. Rund 6000 Deutsch-Untersteirer wurden erschossen oder gingen in Gefängnissen und Konzentrationslagern an Misshandlungen, Hunger und Seuchen zugrunde. Kaum ein Kind unter drei Jahren überlebte diese Lager. Nach Einschaltung des Internationalen Roten Kreuzes wurden die noch am Leben Gebliebenen nach Österreich vertrieben. Jugoslawien enteignete entschädigungslos allen deutschen Besitz.
Gründung der Landsmannschaft der Deutsch-Untersteirer in Graz im Jahr 1948
Die meisten Deutsch-Untersteirer ließen sich nach der Vertreibung in der Steiermark und in Kärnten nieder, viele auch in den übrigen Bundesländern, in Deutschland und in Übersee. In Graz, als dem Zentrum aller vertriebenen Deutsch-Untersteirer, wurde im Jahre 1948 ein Hilfsverein gegründet, der die ärgste Not lindern half. Aus diesem entstand die „Landsmannschaft der Deutsch-Untersteirer in Österreich“. Das Zusammenkommen bei Veranstaltungen, bei denen „Leidensgefährten“ wieder zusammenfanden und sich austauschten, hat so in einer trostlosen Zeit ein wenig Hoffnung vermittelt. Zunehmend rückte die politische Komponente in den Vordergrund, vor allem die Unterstützung beim Erhalt der österreichischen Staatsbürgerschaft.
Vermögenserfassung
1954/55 wurden die Vermögen der vertriebenen Deutsch-Untersteirer erfasst und liegen sowohl schriftlich in Form von 2741 Erfassungsbögen als auch digital vor und sind so wichtige Zeitzeugendokumente für wissenschaftliche Arbeiten.
Mitgliederzeitung „Der Untersteirer“
1968 wurde mit der Herausgabe der Vierteljahreszeitschrift „Der Untersteirer“ ein Meilenstein gesetzt. Diese informiert seither die Mitglieder und Zeitungsbezieher über Veranstaltungen und ist bis heute eine Quelle für Zeitzeugenberichte zum Leben in der Untersteiermark bis zur Flucht im Mai 1945, und zum schwierigen Neubeginn eines Lebens in Österreich.
Gedächtnisstätte der Deutsch-Untersteirer auf dem Grazer Schlossberg
1970 konnte in Graz eine Gedenkstätte für die vielen Toten, die im Nachkriegsjugoslawien oftmals ohne Gerichtsurteil hingerichtet worden waren oder in den Lagern unter unmenschlichen Bedingungen zu Tode gekommen waren, ausgeführt werden. Auf dem Grazer Schlossberg mit Blick in die „Alte Heimat“ mahnt eine Stele, in der ein Totengedenkbuch eingemauert ist, an „Unsere Toten“ und ein Bronzerelief mit den Städten Marburg, Pettau, Cilli und Rann an die Vertreibung der deutschen Bevölkerung aus der Untersteiermark.

Nach dem Zerfall Jugoslawiens
Seit 1991 ist die Untersteiermark ein Teil der Republik Slowenien. Trotz einer für die vertriebenen Deutsch-Untersteirer diskriminierenden Denationalisierungs-Gesetzgebung konnten seither manche der enteigneten Vermögen zurückgewonnen werden. Viele Restitutionsanträge wurden jedoch abschlägig beschieden, die Verfahren verschleppt oder mussten als aussichtslos aufgegeben werden.
Deutsche Kulturvereine in Slowenien
Deutsche Kulturvereine, zusammengefasst unter einem Dachverband, kümmern sich heute in Slowenien um kulturelle Angelegenheiten. Trotz eines Kulturabkommens zwischen Österreich und Slowenien konnte jedoch noch keine verfassungsmäßige Gleichstellung mit den Minderheiten der Italiener und Ungarn und damit eine adäquate Förderung für die deutsche Volksgruppe erreicht werden. www.steiermark-stajerska.com
„Steinerne Gedenkstätte“ bei den Massengräbern auf dem Bachern/Pohorje in Slowenien
2024 konnte mit der Errichtung einer „Steinernen Gedenkstätte“ in Slowenien bei den Massengräbern auf dem Bachern ein lang gehegter Wunsch der Mitglieder der Landsmannschaft erfüllt werden. Dies war nur möglich aufgrund des beharrlichen Weiterverfolgens des Projektes von Martin Kostrevc (Slowenien), Margarete Jahn (USA, Vollwaise seit der Ermordung ihrer Eltern nach dem 2. Weltkrieg) und Ingeborg Mallner (Österreich, Bundesobfrau der Landsmannschaft der Deutsch-Untersteirer). Die Gedenkstätte trägt gerade deshalb aufgrund der gemeinsamen Errichtung von Entscheidungsträgern diesseits und jenseits der Grenze zur Versöhnung über Grenzen hinweg bei. Die offizielle Einweihung der Gedenkstätte fand am 5. Oktober 2024 unter Beteiligung hoher Präsentanten des öffentlichen Lebens statt.

Aufgaben, die sich für die Landsmannschaft heute noch stellen
- Letzte Zeitzeugenberichte der abtretenden Erlebnisgeneration sollen als „Oral History“ in die Geschichtsschreibung eingehen. Die Herausgabe des Buches „Familiengeschichten aus Pettau“, Ehrenfried Machalka, 2023, trägt dazu bei.
- Die enge Zusammenarbeit mit den deutschen Kulturvereinen in Slowenien dient vor allem der Unterstützung ihrer Vorhaben zum Erhalt der deutschen Volksgruppe in Slowenien.
- Unterlagen der Landsmannschaft, wie die Vermögenserfassung 1954, sollen für wissenschaftliche Arbeiten zugängig gemacht werden und sollen zukünftig in Wien im VLÖ-Zentralmuseum mit Lernort archiviert werden.
Kontakt
| Obfrau | Ingeborg Mallner, MSc |
| Adresse | Schwarzer Weg 80, 8054 Graz, Österreich |
| ingeborg.mallner@gmx.at | |
| Telefon | +43 664 5914228 – Dienststelle, Frau Kueschnig, jeden Dienstag von 8:30 – 12:30 Uhr |