Das Gottscheer Land, 1330 von den Grafen von Ortenburg mit Bewohnern aus Oberkärnten und Osttirol urbar gemacht, war bis zur Umsiedlung in den Wintermonaten 1941/1942 die Heimat der Gottscheer. Nach dem Zerfall des Habsburger Reiches bzw. nach dem Ersten Weltkrieg kam es schon zu ersten Veränderungen, denn die Sprachinselbewohner wurden jugoslawische Staatsbürger. Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges kam dann das endgültige Aus, denn die nach der Umsiedlung in der Untersteiermark lebenden Gottscheer wurden vertrieben und mussten flüchten. Sie waren nun endgültig heimatlos.
Viele Landsleute waren jedoch schon vor den Weltkriegen vor allem in die Neue Welt ausgewandert, andere fanden auch in Österreich eine neue Heimat. Die Gründe waren unterschiedlich. Damit sie Unterstützung und Hilfe sowie Heimatersatz finden konnten, wurden von den Gottscheern Vereine gegründet.
Bereits im Mai 1919 kam es in Graz zur Gründung des Vereines „Gottscheerland“. Eine Zweigstelle gab es ab 1919 auch in Klagenfurt, die 1928 selbständig wurde, jedoch während des 2. Weltkrieges ihre Tätigkeit einstellte.
1952 war das eigentliche Gründungsjahr des Gottscheer Vereines in Klagenfurt unter dem Namen „Hilfsverein der Gottscheer und Deutsch-Krainer“. Die Gründungshauptversammlung war am 9. November.
1959 wurde aus dem Hilfsverein die „Gottscheer Landsmannschaft in Klagenfurt“, welche auch die Gottscheer Zeitung herausgibt; diese wurde 1904 in Gottschee gegründet und nach den Kriegsereignissen 1955 in Klagenfurt wiederbegründet.
Die Untersteiermark liegt heute in der Republik Slowenien und reicht von der Ebene des Pettauer Feldes über die Weinhügel der Windischen Büheln und der Kollos, über das 1500 m hohe Bacherngebirge bis zu den 2300 m hohen Sanntaler Alpen. Die größten Flüsse zwischen Mur und Sawe sind die Drau und die Sann, die größten deutschen Städte waren Marburg/Maribor, Cilli/Celje und Pettau/Ptuj.
Die Untersteiermark war seit dem Jahre 1147 – über 770 Jahre lang – ein Teil des Herzogtums Steiermark. 1919 wurde die Untersteiermark durch das Friedensdiktat von St. Germain ohne Volksabstimmung von der Steiermark abgetrennt und dem neugegründeten Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen zugesprochen.
Die Deutsch-Untersteirer
Bei der Volkszählung 1910 lebten in der Untersteiermark 74.000 Deutsche, vorwiegend in Städten und Märkten. Als Bauern lebten rund 6000 im deutschen Abstallerfeld südlich der Mur und rund 3000 im Drautal und anderen Gegenden. Mit der Abtrennung der Untersteiermark 1919 verloren Tausende Deutsche ihre Arbeitsplätze und Wohnungen und wurden ausgewiesen. Andere wichen freiwillig den slowenischen Beschränkungsmaßnahmen. Das Deutschtum wurde so auf die Hälfte verringert und musste als Minderheit in der Zwischenkriegszeit manche Unterdrückung erleiden.
Vertreibung der Deutsch-Untersteirer 1945/46
Im Verlauf des 2. Weltkrieges wurde die Untersteiermark nach dem Jugoslawien-Feldzug im April 1941 an das Deutsche Reich angeschlossen. Mit der Kapitulation am 8. Mai 1945 wurden alle Deutschen, die nicht rechtzeitig geflohen waren, ins Gefängnis oder in eines der berüchtigten slowenischen Konzentrationslager getrieben. Rund 6000 Deutsch-Untersteirer wurden erschossen oder gingen in Gefängnissen und Konzentrationslagern an Misshandlungen, Hunger und Seuchen zugrunde. Kaum ein Kind unter drei Jahren überlebte diese Lager. Nach Einschaltung des Internationalen Roten Kreuzes wurden die noch am Leben Gebliebenen nach Österreich vertrieben. Jugoslawien enteignete entschädigungslos allen deutschen Besitz.
Gründung der Landsmannschaft der Deutsch-Untersteirer in Graz im Jahr 1948
Die meisten Deutsch-Untersteirer ließen sich nach der Vertreibung in der Steiermark und in Kärnten nieder, viele auch in den übrigen Bundesländern, in Deutschland und in Übersee. In Graz, als dem Zentrum aller vertriebenen Deutsch-Untersteirer, wurde im Jahre 1948 ein Hilfsverein gegründet, der die ärgste Not lindern half. Aus diesem entstand die „Landsmannschaft der Deutsch-Untersteirer in Österreich“. Das Zusammenkommen bei Veranstaltungen, bei denen „Leidensgefährten“ wieder zusammenfanden und sich austauschten, hat so in einer trostlosen Zeit ein wenig Hoffnung vermittelt. Zunehmend rückte die politische Komponente in den Vordergrund, vor allem die Unterstützung beim Erhalt der österreichischen Staatsbürgerschaft.
Vermögenserfassung
1954/55 wurden die Vermögen der vertriebenen Deutsch-Untersteirer erfasst und liegen sowohl schriftlich in Form von 2741 Erfassungsbögen als auch digital vor und sind so wichtige Zeitzeugendokumente für wissenschaftliche Arbeiten.
Mitgliederzeitung „Der Untersteirer“
1968 wurde mit der Herausgabe der Vierteljahreszeitschrift „Der Untersteirer“ ein Meilenstein gesetzt. Diese informiert seither die Mitglieder und Zeitungsbezieher über Veranstaltungen und ist bis heute eine Quelle für Zeitzeugenberichte zum Leben in der Untersteiermark bis zur Flucht im Mai 1945, und zum schwierigen Neubeginn eines Lebens in Österreich.
Gedächtnisstätte der Deutsch-Untersteirer auf dem Grazer Schlossberg
1970 konnte in Graz eine Gedenkstätte für die vielen Toten, die im Nachkriegsjugoslawien oftmals ohne Gerichtsurteil hingerichtet worden waren oder in den Lagern unter unmenschlichen Bedingungen zu Tode gekommen waren, ausgeführt werden. Auf dem Grazer Schlossberg mit Blick in die „Alte Heimat“ mahnt eine Stele, in der ein Totengedenkbuch eingemauert ist, an „Unsere Toten“ und ein Bronzerelief mit den Städten Marburg, Pettau, Cilli und Rann an die Vertreibung der deutschen Bevölkerung aus der Untersteiermark.
Nach dem Zerfall Jugoslawiens
Seit 1991 ist die Untersteiermark ein Teil der Republik Slowenien. Trotz einer für die vertriebenen Deutsch-Untersteirer diskriminierenden Denationalisierungs-Gesetzgebung konnten seither manche der enteigneten Vermögen zurückgewonnen werden. Viele Restitutionsanträge wurden jedoch abschlägig beschieden, die Verfahren verschleppt oder mussten als aussichtslos aufgegeben werden.
Deutsche Kulturvereine in Slowenien
Deutsche Kulturvereine, zusammengefasst unter einem Dachverband, kümmern sich heute in Slowenien um kulturelle Angelegenheiten. Trotz eines Kulturabkommens zwischen Österreich und Slowenien konnte jedoch noch keine verfassungsmäßige Gleichstellung mit den Minderheiten der Italiener und Ungarn und damit eine adäquate Förderung für die deutsche Volksgruppe erreicht werden. www.steiermark-stajerska.com
„Steinerne Gedenkstätte“ bei den Massengräbern auf dem Bachern/Pohorje in Slowenien
2024 konnte mit der Errichtung einer „Steinernen Gedenkstätte“ in Slowenien bei den Massengräbern auf dem Bachern ein lang gehegter Wunsch der Mitglieder der Landsmannschaft erfüllt werden. Dies war nur möglich aufgrund des beharrlichen Weiterverfolgens des Projektes von Martin Kostrevc (Slowenien), Margarete Jahn (USA, Vollwaise seit der Ermordung ihrer Eltern nach dem 2. Weltkrieg) und Ingeborg Mallner (Österreich, Bundesobfrau der Landsmannschaft der Deutsch-Untersteirer). Die Gedenkstätte trägt gerade deshalb aufgrund der gemeinsamen Errichtung von Entscheidungsträgern diesseits und jenseits der Grenze zur Versöhnung über Grenzen hinweg bei. Die offizielle Einweihung der Gedenkstätte fand am 5. Oktober 2024 unter Beteiligung hoher Präsentanten des öffentlichen Lebens statt.
Aufgaben, die sich für die Landsmannschaft heute noch stellen
Letzte Zeitzeugenberichte der abtretenden Erlebnisgeneration sollen als „Oral History“ in die Geschichtsschreibung eingehen. Die Herausgabe des Buches „Familiengeschichten aus Pettau“, Ehrenfried Machalka, 2023, trägt dazu bei.
Die enge Zusammenarbeit mit den deutschen Kulturvereinen in Slowenien dient vor allem der Unterstützung ihrer Vorhaben zum Erhalt der deutschen Volksgruppe in Slowenien.
Unterlagen der Landsmannschaft, wie die Vermögenserfassung 1954, sollen für wissenschaftliche Arbeiten zugängig gemacht werden und sollen zukünftig in Wien im VLÖ-Zentralmuseum mit Lernort archiviert werden.
1875 wurde in Czernowitz die Universität mit zunächst drei Fakultäten (Jus, Philosophie und griechisch-orthodoxe Theologie) eröffnet. So entstanden nach und nach an dieser jungen Universität 25 Korporationen, und zwar sechs rumänische, drei ukrainische, zwei polnische, sechs jüdische und acht deutsche schlagende und nicht- schlagende Studentenverbindungen. Czernowitz war damit neben Prag, Wien, Graz und Innsbruck die fünfte Universität des österreichischen Teils der Monarchie. Die Landsmannschaft der Buchenlanddeutschen hat im Jahre 1978 in Linz das 100-jährige Jubiläum der Gründung der Universität Czernowitz, mit dem Festredner Dr. Otto von Habsburg, feierlich begangen. Wieso kam es dazu, dass gerade Czernowitz eine Universität bekam, da doch auch Salzburg, Linz, Olmütz, Triest und Laibach auf der Liste standen? Nach der Ausrufung des Deutschen Reiches 1871 durch Reichskanzler Bismarck in Versailles kam es in der Folge zur Gründung der westlichsten deutschen Universität in Straßburg.
Der Bahnhof von Czernowitz in einer alten Aufnahme
Dieser national motivierte Vorgang machte auf die damals 12 Millionen Deutsch-Österreicher in der Monarchie einen großen Eindruck. Nun musste man auch in Wien, der damals größten deutschsprachigen Metropole, Überlegungen darüber anstellen, wie man in der österreichischen Reichshälfte des Habsburgerreiches dem Nationalgefühl Rechnung tragen konnte. So kam man auf den Gedanken, der westlichsten deutschen Universität mit der Gründung der Universität Czernowitz eine östlichste entgegenzusetzen.
Die Residenz des griechisch-orientalischen Metropoliten mit ihrer Kathedrale und der angeschlossenen Universität gehört zu den schönsten Bauten aus der österreichischen Zeit von Czernowitz. Foto: J. Peheim
Das 1908 vollendete und durch seine Schönheit berühmte Stadttheater von Czernowitz wurde von den österreichischen Architekten Fellner und Helmer entworfen.
Von 1918 bis 1940 gehörte die Bukowina zu Rumänien. Nachdem Deutschland Ostpolen, Bessarabien und die Bukowina als Interessensgebiet der Sowjetunion anerkannt hatte, erklärte es sich auch mit der Umsiedlung der Auslandsdeutschen aus dem Baltikum, Bessarabien und der Bukowina einverstanden. Am 26. Juni 1940 verlangte die Sowjetunion von Rumänien ultimativ die Abtretung der Nordbukowina und Bessarabiens. So hieß es im Juni 1940 für die Buchenlanddeutschen Abschied von der Heimat zu nehmen, nachdem die Sowjetunion sie besetzt hatte. 100.000 Buchenlanddeutsche wurden umgesiedelt und leben heute verstreut in der ganzen Welt. Nur wenige Tausend leben in Österreich und haben in Linz im ,,Haus Czernowitz“ ein kulturelles Zentrum gefunden, ein Haus, in dem auch die studentischen Traditionen der Universitätsstadt Czernowitz gelebt und gepflegt werden.
Das „Deutsche Haus“ in der Herrengasse von Czernowitz – Knapp vor dem Ersten Weltkrieg bildeten die Buchenlanddeutschen fast zehn Prozent der Bevölkerung der Bukowina.
Die erzbischöfliche Residenz in Czernowitz
Die Landsmannschaft der Buchenlanddeutschen in Österreich hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Tradition der Ahnen zu pflegen, damit sie nicht in Vergessenheit gerät.
Kontakt
Obfrau
3. Nationalratspräsidentin a. D. Anneliese Kitzmüller
Die Karpatendeutschen sind die Nachkommen jener Siedler, die seit dem 12. Jahrhundert aus verschiedenen Regionen des Heiligen Römischen Reiches (dem heutigen Deutschland und Österreich) in das damalige Oberungarn einwanderten.
Region Pressburg (Bratislava): Wurde überwiegend aus Österreich besiedelt, zuletzt im 18. Jahrhundert durch evangelische Exulanten.
Mittel- und Nordostslowakei (Hauerland und Zips): Die Einwanderer kamen aus allen Teilen des Reiches, darunter Bayern, Franken, Thüringen und das Rheinland.
Die ungarischen Könige riefen die Siedler ins Land, gewährten ihnen umfangreiche Privilegien (Markt- und Stadtrechte, Schürfrechte, Abgabenfreiheit) und sicherten ihnen die Beibehaltung der deutschen Muttersprache und eigener Gerichtsbarkeit zu. Die Einwanderer, darunter Bauern, Handwerker und viele Bergleute, gründeten zahlreiche Orte und Städte, die heute zu den wichtigsten der Slowakei zählen.
Pressburg – die heutige Metropole der Slowakei – war über Jahrhunderte hinweg die Krönungsstadt der ungarischen Könige.
Sie lebten in drei großen, voneinander vorwiegend getrennten isolierten Sprachinseln:
Pressburg und Umland.
Das mittelslowakische Hauerland oder Bergstädterland.
Die Zips (Ober- und Unterzips) am Fuße der Hohen Tatra.
Schicksal und Magyarisierung
Das Leben der Kolonisten war von den Entscheidungen der ungarischen Herrscher und von Kriegswirren (Tataren, Hussiten, Türken, Aufständische) geprägt. Ab dem späten 18. Jahr-hundert setzte jedoch die staatlich geförderte Magyarisierung ein. Diese Politik wurde besonders nach dem „Ausgleich“ von 1867 vehement betrieben und führte bis zum Zerfall der Monarchie 1918 dazu, dass ein großer Teil der Deutschen im Königreich Ungarn sprachlich assimiliert wurde.
Zwischenkriegszeit und II. Weltkrieg
In der 1918 gegründeten Tschechoslowakischen Republik (ČSR) erhielten die Karpatendeutschen im Vergleich zur Spätzeit Ungarns wieder mehr Volkstumsrechte (deutsche Schulen, Deutsch als zugelassene Sprache). Das Verhältnis zu den Slowaken, die selbst unter starker Magyarisierung gelitten hatten, war überwiegend gut. Nach der Entstehung des selbstständigen slowakischen Staates 1939 unterlagen die Karpatendeutschen dem Einfluss des nationalsozialistischen Deutschlands und erhielten weitere Volkstumsrechte. Mit dem Scheitern Deutschlands im Zweiten Weltkrieg änderte sich die Stimmung: Im Zuge des Slowakischen Nationalaufstands 1944 und danach kam es zu ersten Gewalttaten gegen die deutsche Minderheit.
Metzenseifen
Vertreibung und Enteignung (nach 1945)
Rund 150.000 Deutsche lebten 1945 in der Slowakei. Ein Teil wurde Ende 1944 / Anfang 1945 durch deutsche Stellen evakuiert. Die Vertreibung der verbliebenen Karpatendeutschen erfolgte größtenteils im Rahmen des Potsdamer Abkommens und der Beneš-Dekrete in den Jahren 1946/47.
Die Karpatendeutschen wurden pauschal der Kollektivschuld für die Verbrechen des Nationalsozialismus bezichtigt und mit Schimpf und Schande des Landes verwiesen. Ihr gesamtes Vermögen wurde beschlagnahmt und auf der Grundlage der sogenannten Slowakischen Nationalrats-Verordnungen (Analoga zu den Beneš-Dekreten) enteignet. Nur wenige Gruppen, wie Deutsche in Mischehen mit Slowaken oder anerkannte Antifaschisten, durften bleiben. Insgesamt wurden etwa 120.000 Deutsche vertrieben.
Heutige Situation
Heute lebt nur noch ein kleiner Rest der Karpatendeutschen in der Slowakei. Bei der Volkszählung 2021 bekannten sich noch 8.573 Personen zur deutschen Nationalität.
Die meisten Karpatendeutschen leben heute verstreut in aller Welt, hauptsächlich in Deutschland und Österreich.
Sie sind in Landsmannschaften organisiert (z.B. Karpatendeutsche Landsmannschaft in Deutschland und Österreich), die sich für die Bewahrung des kulturellen Erbes, gegen Geschichtsverfälschungen und für eine Entschädigung der erlittenen Vertreibungsschäden einsetzen.
In Österreich ließen sich etwa 10.000 Karpatendeutsche nieder. Die Karpatendeutsche Landsmannschaft in Österreich vertritt ihre Anliegen und gibt das „Heimatblatt“ heraus.
Käsmark in einer alten Ansicht
Einige berühmte Karpatendeutsche
Rudolf Schuster (geb. 1934): Slowakischer Präsident von 1999 bis 2004. Er bekennt sich offen zu seinen karpatendeutschen Wurzeln (seine Familie stammt aus Metzenseifen in der Zips).
Viktor Oskar Tilgner (1844–1896): Bedeutender Bildhauer des Neubarock aus Pressburg (Bratislava). Er ist bekannt für zahlreiche Denkmäler und Brunnen in Wien, darunter der berühmte Ganymed-Brunnen in Pressburg.
Georg Buchholtz der Jüngere (1688–1737): Bekannter Naturforscher und lutherischer Geistlicher aus Käsmark (Kežmarok) in der Zips. Er war ein bedeutender Erforscher der Hohen Tatra.
Franz Richweis (1929–2001): Heimatdichter und Gründer der Ortsgemeinschaft Schwedler/Švedlár des Karpatendeutschen Vereins, der sich um die kulturelle Erinnerung verdient gemacht hat.
Vertretung der Karpatendeutschen heute
Die Interessen der Karpatendeutschen werden hauptsächlich von zwei Gruppen von Organisationen vertreten: dem Karpatendeutschen Verein (KDV) in der Slowakei und den Landsmannschaften in den Aufnahmeländern, insbesondere in Deutschland und Österreich.
Drei Jahrzehnte nach der Schlacht am Kahlenberg und der Befreiung Wiens von der türkischen Belagerung wurde das Banat, dieses zwischen Donau, Theiß, Marosch und den Karpaten liegende 28.523 km² große Land, 1716 als letztes ungarisches Gebiet nach 164 Jahren durch Prinz Eugen von der osmanischen Herrschaft befreit. Nach Auffassung Prinz Eugens sollte dieses wichtige Grenzland als Keil zwischen den damals aufständigen Madjaren (Kuruzenkriege) und den ihnen freundlich gesinnten Türken ausgebaut werden. So wurde das neu erworbene Banat zu einer Krondomäne und blieb ein unveräußerliches königliches Gut mit zunächst nur geschätzten 85.000 Einwohnern. Der Wiener Hof war jedoch in der Folgezeit bemüht, das Banat in ein vorbildliches Gebiet der Monarchie zu verwandeln.
Drei Habsburger Kaiser waren es, unter deren Regierung sich die nun einsetzenden „Schwabenzüge“ ins Banat ergossen: Erster Schwabenzug unter Kaiser Karl VI. 1723-1726; Zweiter Schwabenzug unter Maria Theresia 1763- 1773 und Dritter Schwabenzug unter Joseph II. 1782-1787. Das Kolonisationswerk selbst wurde in der Planung und Durchführung von Wien aus vorgenommen und zählte trotz aller zeitbedingten Mängel mit zu den großen Leistungen Österreichs in der Zeit des 18. Jahrhunderts. Die angeworbenen Familien kamen aus mehr als 40 Auswanderungsgebieten, hauptsächlich aber aus Lothringen, Elsass, Luxemburg, Franken, Baden, Sauerland und Schwaben. Im Jahre 1734 befanden sich im Banat bereits 46 deutsche Ortschaften.
Im Zeitraum von 1763-1770 stieg die Zahl der Deutschen im Banat von etwa 24.000 auf 43.000. Bis 1773 wurden 31 Ortschaften neu gegründet und 29 Siedlungen erweitert. Die Großtat der Siedler bestand in der Umwandlung des Banats in eine der ertragreichsten Kornkammern Europas. Das Banat wurde jedoch im Jahre 1778 laut Vertrag, den Maria Theresia 1741 mit den Ungarn geschlossen hatte, Ungarn einverleibt. Joseph II. verkaufte 164 Banater Orte in öffentlichen Versteigerungen an den Meistbietenden. Die deutschen Bauern, die vorher nur der Hofkammer unterstanden, wurden wieder Leibeigene. Im dritten Schwabenzug kamen nochmals rund 13.500 Personen ins Banat.
Temeschwar
Nach der Revolution 1848/49 entstand die „Woiwodschaft Serbien und Temeser Banat“ mit deutscher Amtssprache. Die neue „Woiwodschaft“, deren Hauptstadt Temeswar wurde, umfasste neben dem Banat auch die Batschka und die Rumaer und Illoker Bezirke des Komitates Syrmien und war unmittelbar der Reichsregierung in Wien unterstellt. Die Bevölkerung der gesamten Woiwodschaft betrug im Jahre 1851 knapp 1,4 Millionen Menschen, davon rund 400.000 Serben, 300.000 Deutsche, 300.000 Rumänen, 250.000 Ungarn und 13.000 Juden.
Mit Wirkung vom 1. Jänner 1861 löste sich die Woiwodschaft auf, und das Banat wurde ein zweites Mal dem Königreich Ungarn einverleibt. Mit dem österreichisch-ungarischen „Ausgleich“ von 1867 wurden die 1,8 Millionen Deutschen der ungarischen Reichshälfte dem ungarischen Nationalismus ausgeliefert. Das deutsche Schulwesen wurde nach und nach erdrosselt. Die deutschen Zeitungen des Banates schmolzen von 37 im Jahre 1889 auf 12 im Jahre 1910 zusammen.
Am 30. Dezember 1906 wird in Werschetz die „Ungarländische Deutsche Volkspartei“ gegründet. Sie stellte sich die Aufgabe, die Überfremdung abzuwehren und die im Nationalitätengesetz von 1868 den Volksgruppen zugesagten Rechte durchzusetzen. Die Volkszählung im Jahre 1910 wies im Banat unter 1.852.439 Einwohnern 512.601 (27,6%) Deutsche auf.
Die katholische Pfarrkirche von Werschetz
Der Ausgang des I. Weltkrieges brachte das Ende der k.u.k. Doppelmonarchie Österreich-Ungarn. Der Friedensvertrag von Trianon (04.06.1920) zerstückelte das Banat in drei Teile: 18.945 km² fielen an Rumänien, 9.307 km² kamen zu Jugoslawien und 217 km² verblieben bei Ungarn. Im neuen Vaterland Rumänien gingen die Banater Schwaben zielstrebig an die Aufbauarbeit. Nach 1933 mischte sich die deutsche Reichsregierung immer häufiger in die Angelegenheiten der deutschen Volksgruppe ein, bis die rumänische Regierung mit Dekret vom 21. November 1940 diese als juristische Person öffentlichen Rechtes anerkannte.
Ab Mai 1943 wurden auf Grund eines Abkommens zwischen Rumänien und dem Dritten Reich Rumäniendeutsche in die deutschen Wehrverbände eingezogen. Ca. 8.500 von ihnen sind im Zweiten Weltkrieg gefallen. Der Umsturz in Rumänien vom 23. August 1944 hat die Deutschen in Rumänien hart getroffen: Politische, wirtschaftliche, kirchliche und kulturelle Organisationen wurden aufgelöst und verboten. Vertrieben wurden die Deutschen aber nicht – im Januar 1945 wurde die arbeitsfähige deutsche Bevölkerung zur Aufbauarbeit in die Sowjetunion verschleppt. Durch die Bodenreform im März 1945 verlor die bäuerliche Bevölkerung ihre Existenzgrundlage. Im Sommer des Jahres 1951 wurden 40.000 Menschen entlang der jugoslawischen Grenze in die Baragan-Steppe zwangsumgesiedelt. Die kulturell-ethische Überlebenschance der Volksgruppe wurde unter dem Assimilationsdruck der Ceausescu-Diktatur immer geringer, hinzu kam ab 1951 im Rahmen der Familienzusammenführung eine Rückwanderung Deutscher aus dem kommunistischen Rumänien in den Westen.
Im Zeitraum von 1950-1992 beteiligten sich an der Aussiedlung rund 200.000 Banater Schwaben. Im Jahre 1950 waren es über 50.000, die in das Land ihrer Vorfahren zurückwanderten. Bei der Volkszählung vom Januar 1948 gaben in Rumänien nur mehr 343.913 Personen Deutsch als Muttersprache an, davon im Banat 171.022. Bei der Volkszählung im Oktober 2011 lebten im rumänischen Banat 14.523 Deutsche, davon im Kreise Karsch-Severin 3.070, im Kreis Temesch 8.497 und im Kreis Arad, der geographisch nur zum Teil zum Banat gehört, 2.956 Personen.
Beim Herannahen der Front im September 1944 zogen zahlreiche Wagenkolonnen mit Flüchtlingen aus dem Banat nach Österreich. Die meisten von ihnen verbrachten den Winter 1944/45 im Burgenland, in Nieder- und Oberösterreich sowie Salzburg. Schon im Frühjahr 1945 lief eine Repatriierung der in der russischen Zone Österreichs befindlichen Flüchtlinge an. Unter russischer Eskorte fuhren vom Arsenal in Wien die Trecks der Volksdeutschen in ihre Heimat zurück. Nach Angaben des Bundesministeriums für Inneres befand sich die folgende Anzahl von Flüchtlingen aus Rumänien in Österreich. 01.01.1948: 56.601 Personen und 01.07.1956: 20.735 Personen. Rund 18.000 Banater Schwaben aus Rumänien fanden in Österreich eine neue Heimat.
Das Demokratische Forum der Deutschen im Banat, Temeswar, das Ortsforum Arad sowie das Ortsforum Reschitza vertreten die Belange unserer Landsleute im Banat. Der „Verein der Banater Schwaben Österreichs“ will neben der Geselligkeit die in der ehemaligen Heimat gewachsenen Verbindungen pflegen und weiterentwickeln. Gleichzeitig bemüht er sich, die Verbindung zu den in der alten Heimat verbliebenen Landsleuten aufrecht zu erhalten sowie ihnen Hilfe zukommen zu lassen. In seinem Bemühen wird er von der Heimatzeitung „Banater Post“ tatkräftig unterstützt. Sie wird in vielen Staaten Europas und in Übersee gelesen.