70 Jahre Siebenbürger in Oberösterreich: Siebenbürgischer Kulturherbst 2026

Vom 4. September bis 22. November 2026 lädt der Landesverband der Siebenbürger Sachsen in Oberösterreich zum traditionellen Siebenbürgischen Kulturherbst ein. Das diesjährige Programm steht ganz im Zeichen des 70-jährigen Jubiläums und bietet eine vielfältige Leistungsschau aus Kultur, Tradition, Musik und lebendiger Gemeinschaft.

Erleben Sie hochkarätige Lesungen, Theatergastspiele, spannende Vorträge und traditionelle Feste in ganz Oberösterreich.

Mit Fleiß und tiefer Verbundenheit zur eigenen Herkunft pflegen die Siebenbürger Sachsen ihr unschätzbares Erbe.

Programmhöhepunkte

  • 4. – 6. September | Seewalchner 3-Klang & 75 Jahre MVR (Seewalchen am Attersee) Großes Zeltfest am Rathausplatz mit den Comedy Hirten, dem Atterseepokal und einem Festgottesdienst mit Bischof Manfred Scheuer.
  • 17. September, 19:00 Uhr | Lesung mit Cornelius Obonya (Rutzenmoos) Der bekannte Kammerschauspieler liest aus Hans Bergels bedeutender Novelle „Fürst und Lautenschläger“. Musik: Linz-Czernowitz Express.
  • 2. Oktober, 19:30 Uhr | Theater: „Karpatenflecken“ (Stadttheater Wels) Gastspiel des Deutschen Theaters Berlin. Ein mehrfach ausgezeichnetes Schauspiel von Thomas Perle über biografische Schicksale in den Karpaten.
  • 3. Oktober | Museumsnacht & Historischer Vortrag (Rutzenmoos & Vöcklabruck)
    • 19:00 Uhr: Vortrag von Dr. Ingrid Schiel über siebenbürgisch-sächsische Frauengestalten in der Donaumonarchie.
    • 18:00 – 21:00 Uhr: Lange Museumsnacht im Museum der Heimatvertriebenen Vöcklabruck mit der Sonderausstellung „Sakrale Kunst aus Siebenbürgen“.
  • 8. Oktober, 19:00 Uhr | Film: „Auf Brukenthals Spuren“ (Traun) Dokumentarfilm über das Leben und Wirken des Visionärs Samuel von Brukenthal.
  • 14. & 15. Oktober, 19:00 Uhr | Vorträge von Dr. Dietmar Gross (Vorchdorf & Mattighofen) Spannende Einblicke in den Karpatenbogen und seine Urwälder sowie eine faszinierende Bilderreise in das Donaudelta.
  • 14. November, 18:00 Uhr | Festakt: 70 Jahre Siebenbürger Traun (Spinnerei Traun) Große Jubiläumsfeier der Siebenbürger Nachbarschaft, Jugend und Trachtenkapelle Traun (Anmeldung bis 30. Oktober erforderlich).
  • 22. November | Festausklang (Seewalchen & Traun)
    • 09:30 Uhr: „Tag der Gemeinschaft“ mit Festgottesdienst und traditionellem Krautwickel-Essen in Rosenau/Seewalchen.
    • 17:00 Uhr: Jubiläumskonzert „70 Jahre Trachtenkapelle Traun Siebenbürger“ in der Spinnerei Traun.

Kontakt & Informationen

Detaillierte Informationen zu den einzelnen Veranstaltungsorten, Eintrittspreisen (viele Termine finden gegen eine freiwillige Spende statt) sowie zu den beteiligten siebenbürgischen Museen in OÖ finden Sie im vollständigen Programm.

  • Veranstalter: Landesverband der Siebenbürger Sachsen in OÖ
  • Ansprechpartnerin: Ingrid Schuller (Referat für Kultur- und Brauchtumspflege)
  • Mobil: +43 (0) 699 / 11789128
  • E-Mail: ingrid@hausschuller.at
  • Webseite: www.siebenbuergen.at

Gottscheer Kulturwoche & Wallfahrt 2026: „Heimat tief im Herzen“

Unter dem traditionsreichen Leitspruch „Heimat tief im Herzen“ lädt die Gottscheer Landsmannschaft in Klagenfurt auch im Jahr 2026 wieder Landsleute, Freunde und Interessierte aus aller Welt zum großen Heimattreffen nach Kärnten ein.

Die diesjährige 59. Gottscheer Kulturwoche findet vom 28. Juli bis 2. August 2026 statt. Ein besonderer Fokus liegt diesmal auf dem runden Jubiläum: Unter dem Motto „Es begann 1966 – 60 Jahre Gottscheer Kulturwoche“ blickt die Gemeinschaft stolz auf sechs Jahrzehnte lebendige Traditionspflege und heimatliche Verbundenheit zurück.

Gemeinsamer Austragungsort der Festtage und Kulturveranstaltungen ist wie jedes Jahr das idyllische Ambiente von Schloss Krastowitz sowie die Gottscheer Gedächtnisstätte in Klagenfurt.

Festprogramm im Überblick:

  • Dienstag, 28. Juli bis Donnerstag, 30. Juli: Dreitages-Fahrt in die alte Heimat (Gottschee und Umgebung).
  • Freitag, 31. Juli (19:30 Uhr): Offizielle Eröffnung auf Schloss Krastowitz durch den Vorsitzenden Hermann Petschauer, Grußworte der Ehrengäste und Festvortrag zu „60 Jahre Gottscheer Kulturwochen“.
  • Samstag, 1. August: Teilnahme einer traditionellen Gottscheer Abordnung in alten Trachten beim großen Brauchtumsumzug des 81. Villacher Kirchtags.
  • Sonntag, 2. August – Gottscheer Wallfahrt:
    • 09:00 Uhr: Platzkonzert der Kolpingmusik Klagenfurt
    • 10:00 Uhr: Feierliche Prozession zur Gedächtnisstätte, Kranzniederlegung und Festmesse mit Militärerzdekan Dr. Harald Tripp
    • Anschließend: Gemeinsames Mittagessen, geselliges Beisammensein und um 14:00 Uhr der traditionelle Segen nach altem Heimatbrauch.

Kultur und Kulinarik zum Mitnehmen

Neben der Pflege des Gottscheer Dialekts und des Glaubens steht auch die Erhaltung der traditionellen Küche im Fokus. Passend dazu kann über die Landsmannschaft das beliebte Kochbuch „Da Khöscht ahsima in Göttschǝab“ (Kost daheim in Gottschee) in der erweiterten 2. Auflage erworben werden (Preis: € 18,– zzgl. Porto).

Ebenfalls erhältlich ist ein umfassender Kirchenführer zur Filialkirche zum hl. Ulrich mit der Gottscheer Gedächtnisstätte Krastowitz (€ 7,– zzgl. Porto).

Die Gottscheer Landsmannschaft in Klagenfurt freut sich auf ein herzliches Wiedersehen und schöne Stunden in heimatlicher Verbundenheit!

Infobox & Kontakt für Anfragen und Bestellungen:

  • Auskünfte zum Programm: Hermann Petschauer (Vorsitzender) | Tel: 0650/2526199 | E-Mail: office@vm-petschauer.at
  • Buchbestellungen & Zimmerreservierung: Martha Tiefenbacher | Tel: 0650/37 77 110 | E-Mail: e-m-a.tiefenbacher@chello.at
  • Postanschrift: Gottscheer Landsmannschaft, Postfach 43, A-9021 Klagenfurt am Wörthersee

Hinweis für Besucher: Das Bildungshaus Schloss Krastowitz bietet nach einem gelungenen Umbau auch wieder komfortable Übernachtungsmöglichkeiten direkt vor Ort an!

Zusätzliche Informationen zur Gottscheer Kulturwoche 2026 finden Sie im untenstehenden Programmheft!

Neue Ausstellung im Parlament: „BLICKWECHSEL. Das Erbe Altösterreichs“

Hunderttausende deutschsprachige Menschen der ehemaligen Habsburgermonarchie fanden in Österreich eine neue alte Heimat

Das Parlament eröffnete im Besuchszentrum Demokratikum – Erlebnis Parlament die Ausstellung „BLICKWECHSEL. Das Erbe Altösterreichs“. Sie widmet sich den deutschsprachigen Menschen aus Gebieten der ehemaligen Habsburgermonarchie, die nach dem Zweiten Weltkrieg in Österreich eine neue Heimat fanden – und einem europäischen Erbe, das die Republik Österreich bis heute prägt.

Veranstaltungsteilnehmerinnen und -teilnehmer; © Parlamentsdirektion/​Johannes Zinner

Rosenkranz: Aus Menschen, die ihre Heimat verloren haben, wurden Mitbürgerinnen und Mitbürger

Nationalratspräsident Walter Rosenkranz eröffnete die Ausstellung mit einem Hinweis auf ihre historische und gesellschaftliche Bedeutung: „Das Parlament ist der Ort, an dem Geschichte nicht nur erinnert, sondern vielfach auch gestaltet wurde.“ Und weiter: „Politische Entscheidungen haben hier Lebenswirklichkeit geschaffen, Rechte begründet und den Rahmen dafür gesetzt, dass aus Menschen, die ihre Heimat verloren hatten, Mitbürgerinnen und Mitbürger unserer Republik werden konnten“. So wurde am 29. Juni 1954 das sogenannte Optionsgesetz im Bundesrat behandelt, durch das viele Altösterreicherinnen und Altösterreicher die österreichische Staatsbürgerschaft bekommen konnten.

Die Ausstellung erzählt eine Geschichte, die weit vor 1945 beginnt. Mit dem Zerfall der Habsburgermonarchie 1918 fanden sich Hunderttausende deutschsprachige Menschen außerhalb der Republik Österreich wieder. In den Gebieten des heutigen Tschechien, der Slowakei, Polens, Ungarns, Rumäniens, Serbiens, Kroatiens und Sloweniens waren sie seit Jahrhunderten ansässig und Teil einer vielsprachigen, kulturell verflochtenen Gesellschaft. Zwischen 1944 und 1947 wurden viele von ihnen zur Flucht gezwungen oder vertrieben. Viele gelangten in das vom Krieg gezeichnete Österreich, wo ein schwieriger, aber erfolgreicher Integrationsprozess begann.

Eröffnungsworte Nationalratspräsident Walter Rosenkranz (FPÖ); © Parlamentsdirektion/​Johannes Zinner

Kurator Kührer-Wielach: Facettenreichtum war überraschend

Kurator der Ausstellung ist Florian Kührer-Wielach, Direktor des Instituts für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Auch er lernte bei der Recherche zu den Altösterreicherinnen und Altösterreichern Neues kennen: „Ich durfte mich auf eine der interessantesten beruflichen Reisen meines Lebens zu einem Thema begeben, das mir einerseits sehr vertraut ist, dessen Facettenreichtum mich aber in den vergangenen Monaten mehrmals überrascht hat.“

Zur inhaltlichen Ausrichtung meinte Kührer-Wielach, dass Flucht- und Vertreibungsereignisse zentrale Momente dargestellt haben. So zeigen die Debatten im Hohen Haus nach dem Zweiten Weltkrieg, „wie sich Republik und Gesellschaft zuerst zögerlich, aber Schritt für Schritt dazu bekannten, die deutschsprachigen Flüchtlinge und Vertriebenen formal und realpolitisch zu integrieren“.

Zur Ausstellung Kurator Florian Kührer-Wielach; © Parlamentsdirektion/​Johannes Zinner

Erinnerungsstücke der Flucht: Spielzeuge und Gebetsbücher

Eine Litfaßsäule im Demokratikum macht anhand ausgewählter Beispiele sichtbar, wie dieses europäische Erbe Österreich bis heute prägt. Ergänzend dazu zeigen Schaukästen persönliche Erinnerungsstücke, die Leihgeberinnen und Leihgeber zur Verfügung gestellt haben: Kinderspielzeuge, Gebetsbücher, historische Ausweisdokumente und Aufenthaltsgenehmigungen erzählen von individuellen Schicksalen zwischen Verlust und Neubeginn. Eine multimediale Installation mit integrierter Videowall vermittelt die Inhalte auf zeitgemäße und niederschwellige Weise.

Die Ausstellung verweist auch auf die politische Dimension des Themas: Zu den Altösterreicherinnen und Altösterreichern zählten die ersten drei Bundespräsidenten der Zweiten Republik ebenso wie zahlreiche Parlamentarierinnen und Parlamentarier. Auch das Parlament selbst befasste sich in der Nachkriegszeit mit der Lage der Vertriebenen – mit Fragen der Staatsbürgerschaft, der sozialen Sicherung und der politischen Teilhabe.

Nationalratspräsident Walter Rosenkranz (FPÖ) mit Exponaten der Ausstellung; © Parlamentsdirektion/​Johannes Zinner
Präsentation des Films zur Ausstellung. Am Wort Nationalratspräsident Walter Rosenkranz (FPÖ); © Parlamentsdirektion/​Johannes Zinner

Begleitprogramm und weiterführende Informationen

Zur Ausstellung gibt es eine zweisprachige Begleitbroschüre auf Deutsch und Englisch. Weitere Informationen finden sich auf der Website des Parlaments unter www.parlament.gv.at/blickwechsel-das-erbe-altoesterreichs.

HINWEIS:  Fotos  von dieser Veranstaltung sowie eine Nachschau auf vergangene Veranstaltungen  finden Sie im Webportal des Parlaments. (Schluss) pak

Wanderausstellung „Die Schönbornfranken – Von Franken nach Transkarpatien“ im Wiener „Haus der Heimat“ eröffnet

Wien – Am Donnerstag, den 25. Juni 2026, wurde im feierlichen Rahmen des „Hauses der Heimat“ in Wien die Wanderausstellung „Die Schönbornfranken – Von Franken nach Transkarpatien“ eröffnet. Die Veranstaltung, die in enger Kooperation zwischen dem Verband der deutschen altösterreichischen Landsmannschaften in Österreich (VLÖ), der Stiftung Verbundenheit mit den Deutschen im Ausland und der Paneuropabewegung Österreich realisiert wurde, bot den anwesenden Gästen und Vertretern der Landsmannschaften einen tiefen Einblick in eine weitgehend unbekannte deutsche Minderheitsgeschichte. Die Ausstellung beleuchtet die rund 300-jährige, wechselvolle Geschichte der deutschen Gemeinschaft in der westukrainischen Region Transkarpatien (Karpatenukraine) und schlägt gleichzeitig den Bogen zur gegenwärtigen, von schwerer Not geprägten humanitären Situation vor Ort.

Bildtext: Im Bild (v.l.n.r.): Rainhard Kloucek (Paneuropabewegung Österreich); Sebastian Machnitzke (Stiftung Verbundenheit), Mag. Gerhard Schiestl (VLÖ-Vizepräsident),
Ing. Norbert Kapeller (VLÖ-Präsident), Hartmut Koschyk (Stiftung Verbundenheit); Dr. Rüdiger Stix (VLÖ-Vizepräsident)

Feierliche Eröffnung und das Grußwort aus der Ukraine

VLÖ-Präsident Norbert Kapeller hieß die Gäste im „Rudolf-Reimann-Saal“ herzlich willkommen und unterstrich in seiner Eröffnungsrede die tiefe historische Verwurzelung der altösterreichischen und deutschen Gemeinschaften in Ost- und Mitteleuropa. Kapeller hob hervor, dass Transkarpatien mit seiner multikulturellen Struktur – geprägt von österreichischen, ungarischen, rumänischen, ukrainischen und deutschen Einflüssen – seit jeher ein europäisches Musterbeispiel für friedliches Zusammenleben darstelle.

Besonders emotional gestaltete sich das Verlesen des Grußwortes von Julia Tayps, der stellvertretenden Bürgermeisterin der Stadt Mukatschewo, Leiterin des dortigen „Deutschen Hauses“ und zentralen Vertreterin der deutschen Gemeinschaft in der Ukraine. Frau Tayps musste ihre Teilnahme an der gestrigen Veranstaltung kurzfristig absagen, übermittelte jedoch eine kraftvolle Botschaft, die von Norbert Kapeller vorgetragen wurde.

In ihrem Grußwort erinnerte Tayps an den geschichtlichen Ursprung, als Graf Schönborn im 18. Jahrhundert nach verheerenden Kriegen und Seuchen gezielt deutsche Siedler, Handwerker und Landwirte in das damalige Oberungarn rief: „Sie brachten nicht nur ihre Sprache und Kultur mit, sondern auch handwerkliche Fähigkeiten, landwirtschaftliche Kenntnisse und eine besondere Arbeitskultur.“ Heute verstehe sich das 2018 gegründete und seit 2023 in einer eigenen Immobilie untergebrachte „Deutsche Haus“ in Mukatschewo als lebendiges Zentrum für Sprachkurse, Kultur- und Jugendprojekte sowie als unentbehrlicher Ankerpunkt für humanitäre Hilfe inmitten des anhaltenden russischen Angriffskrieges.

Ausstellungspräsentation durch Hartmut Koschyk: Von der historischen Kolonisation zur „Humanitären Brücke“

Die inhaltliche Einführung in die Ausstellung übernahm Hartmut Koschyk, ehemaliges Mitglied des Deutschen Bundestages und Bundesbeauftragter für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten. Koschyk, der auch der Stiftung Verbundenheit vorsteht, führte das Publikum anhand einer detaillierten Präsentation durch die historischen Meilensteine der Schönbornfranken:

  • Die Ursprünge: Beginnend mit dem Reichserzkanzler Lothar Franz von Schönborn und dessen Nachfolger Friedrich Karl von Schönborn, die ab den 1720er-Jahren gezielt mainfränkische Familien zur Ansiedlung bewegten, um die Region wirtschaftlich zu beleben. Missernten, Armut und hohe Kindersterblichkeit in der fränkischen Heimat trieben die Menschen ab 1730 zur Auswanderung an, gelockt durch die Gewährung von kostenlosem Baumaterial und dreijähriger Steuerfreiheit.
  • Blütezeit und Tragödie: Koschyk zeichnete den Weg über die wirtschaftliche Blütezeit im späten 18. Jahrhundert (mit vorindustriellen Großbetrieben, Textil- und Forstwirtschaft) bis hin zu den tiefen Einschnitten des 20. Jahrhunderts nach. Nach dem Einmarsch der Roten Armee wurden rund 8.000 der knapp 14.000 Karpatendeutschen deportiert – ein schweres historisches Trauma, das die Gemeinschaft bis heute prägt.
  • Die heutige Brückenfunktion und akute Hilfe: Heute zählt die deutsche Minderheit in der gesamten Ukraine etwa 33.000 Mitglieder, koordiniert durch den Rat der Deutschen der Ukraine (RDU).

Koschyk verdeutlichte eindringlich, dass die historische Aufarbeitung kein reiner Selbstzweck ist. Auf Initiative der Stiftung Verbundenheit und mit Unterstützung aus Haushaltsmitteln des Deutschen Bundestages konnten zukunftsweisende Projekte umgesetzt werden. So wurde das „Deutsche Haus“ in Mukatschewo jüngst mit einer modernen Solaranlage als „Sonnendach“ ausgestattet, um den regelmäßigen, kriegsbedingten Stromausfällen im Winter zu trotzen und die Fortführung der humanitären Verteilungsprozesse zu garantieren.

Darüber hinaus berichtete Koschyk von der „Humanitären Brücke Oberfranken – Transkarpatien“. Über Aktionen wie „Sternstunden – Wir helfen Kindern“ flossen beispielsweise Fördergelder in Höhe von 36.000 Euro in das Kinderkrankenhaus Mukatschewo, um dringend benötigte medizinische Geräte, Ultraschallgeräte, Krankenbetten sowie physiotherapeutisches Equipment für behinderte Kinder zu beschaffen. Auch die kulturelle Dimension kam zur Sprache, etwa durch das „Bayreuther Fastenessen 2025“, bei dem der römisch-katholische Bischof Mykola Petro Luchok aus Mukatschewo über das interethnische Zusammenleben referierte.

Authentische Berichte direkt aus der Ukraine

Den bewegenden Abschluss des offiziellen Teils bildete das Wort der ukrainisch-deutschen Journalistin und Filmemacherin Lene Dej, die für die Ausstellungseröffnung eigens aus Uschgorod nach Wien gereist war. Dej gab den Gästen einen ungeschminkten, tiefgehenden Einblick in den Alltag der Menschen vor Ort und schilderte, unter welchen psychischen und logistischen Belastungen das kulturelle und soziale Leben der Minderheit aufrechterhalten wird. Sie dankte den österreichischen und deutschen Partnern für das unermüdliche Engagement, das weit über symbolische Gesten hinausgehe und den Menschen in der Ukraine wertvolle Hoffnung und tatkräftige Lebenshilfe spende.

Fazit und Ausstellungsdetails

Die Wanderausstellung, die auf der wissenschaftlichen Forschungsarbeit des Historikers    Dr. Rudolf Distler fußt und von der Stiftung Verbundenheit populärwissenschaftlich aufbereitet wurde, war bereits in mehreren deutschen Städten wie München, Bamberg und Würzburg zu sehen. Sie zeigt eindrucksvoll, wie aus historischen Migrationsbewegungen lebendige, europäische Partnerschaften erwachsen, die gerade in Krisenzeiten wie den heutigen eine unersetzliche Säule der Solidarität bilden.

Öffnungszeiten der Ausstellung

Die Ausstellung kann bis zum Herbst im „Rudolf-Reimann-Saal“ des „Hauses der Heimat“ von Montag bis Donnerstag jeweils von 9 bis 12 Uhr und von 13 bis 16 Uhr besichtigt werden. Bitte berücksichtigen Sie allfällige Schließtage während der Sommerpause, die aber noch rechtzeitig bekanntgegeben werden. Gerne empfehlen wir Ihnen eine vorherige Kontaktaufnahme mit dem VLÖ-Sekretariat unter 01/7185905 bzw. sekretariat@vloe.at wenn Sie die Ausstellung (auch zu gesonderten Zeiten) besuchen möchten.

Militärexperte Reisner im Haus der Heimat

„Wir erleben eine historische Zeitenwende und das unsichtbare Schlachtfeld“

Hochkarätige Analyse von Oberst des Generalstabes Dr. Markus Reisner zur geopolitischen Lage, der technologischen Evolution des Ukraine-Krieges und den konkreten Bedrohungen für Österreichs kritische Infrastruktur.

Auf Einladung von VLÖ-Präsident Ing. Norbert Kapeller analysierte Oberst d.G. Dr. Markus Reisner am 10. Juni 2026 im „Haus der Heimat“ die aktuelle weltpolitische Lage. Der renommierte österreichische Militäranalyst zeichnete in seinem rund 90-minütigen Vortrag ein tiefgehendes, teils aufrüttelndes Bild einer globalen Neuordnung, warnte eindringlich vor den konkreten Gefahren moderner hybrider Kriegsführung für Mitteleuropa und lieferte eine schonungslose Lagebeurteilung.

Die Taktik der schieren Masse und das „gläserne Gefechtsfeld“

Reisner verglich die Dynamik des Abnutzungskrieges mit einem Boxkampf. Während zu Beginn technologische Präzision und taktische Überraschungen Wirkung zeigten, verlagere sich Russland – ähnlich dem historischen Boxer Nikolai Walujew – zunehmend auf die Taktik der schieren Masse an Menschen und Material. Nach Zählung des Experten befindet sich der Konflikt mittlerweile in seiner zehnten Phase und droht an den Frontlinien einzufrieren, da keine Seite mehr signifikante Raumgewinne erzielen kann.

Ursache hierfür ist das sogenannte „gläserne Gefechtsfeld“:

  • Todeszone Drohne: Durch den omnipräsenten Einsatz von Aufklärungs- und Angriffsdrohnen wird jede Truppenansammlung im Keim erstickt. Entlang der Front hat sich eine rund 50 Kilometer breite „Todeszone“ gebildet, in der die Bewegung von gepanzerten Fahrzeugen kaum noch möglich ist.
  • Die Evolution der Systeme: Reisner skizzierte die rasante technologische Entwicklung. Nach analogen und digitalen Systemen fliegt die dritte Generation bereits über bis zu 55 Kilometer lange Glasfaserkabel, was sie absolut immun gegen elektronische Störmaßnahmen macht. Die nun aufkommende vierte Generation operiert vollständig autark mittels Künstlicher Intelligenz (KI).

„Der psychologische Druck ist beispiellos. Soldaten nehmen sich beim bloßen Surren einer Drohne über ihnen das Leben, um nicht auf dem Schlachtfeld qualvoll zu sterben“, so Reisner unter Berufung auf gesichtetes Videomaterial.

Geopolitisches Schachbrett: Globaler Süden vs. Globaler Norden

Der Experte betonte, dass die Ukraine-Frage längst Teil eines weit größeren Konflikts zwischen dem Globalen Süden und dem Globalen Norden ist. Es finde eine historische Emanzipation statt, bei der Regionen wie China und Indien den Anspruch auf eine multipolare Weltordnung erheben und sich nicht mehr vom Westen bevormunden lassen.

  • China agiere als strategischer Kopf im Hintergrund und habe kein Interesse daran, dass Russland verliert, da der Konflikt die USA bindet.
  • Nordkorea fungiert als materieller Motor und hat in den letzten drei Jahren fast 9 Millionen Schuss Artilleriemunition an Russland geliefert – eine Menge, von der westliche Rüstungsschmieden weit entfernt sind.
  • Indien nutzt die Situation pragmatisch, kauft billige Rohstoffe aus Russland und verkauft sie teurer an den Westen weiter.

Gleichzeitig verändern die USA unter der Administration Trump ihre Prioritäten drastisch. Die National Security Strategy sieht einen Rückzug auf die eigene Hemisphäre und Kerninteressen vor. Reisner zitierte die klare Haltung Washingtons: „Europe has to lead when it comes to Russia“ – die Europäer müssen die Führung im Umgang mit Moskau selbst übernehmen, während sich die USA China und dem Pazifik zuwenden.

Österreich im Visier des „unsichtbaren Schlachtfelds“

Besonders eindringlich warnte Oberst Reisner vor der Illusion, Österreich sei durch seine Neutralität geschützt oder geopolitisch isoliert. Österreich liege im Herzen der europäischen Versorgungs- und Kommunikationslinien und spiele eine kritische Rolle. „Das Ziel dieser hybriden Kriegsführung ist es, unsere Gesellschaft zu spalten, Verwirrung zu stiften und uns die Deutungshoheit zu nehmen“, warnte Reisner.

Schonungslose Bilanz der Verlustzahlen

Auf Nachfrage aus dem Publikum bezüglich der realen Verluste nannte Reisner die folgenden Zahlen: Nach rund vier Kriegsjahren wird von 350.000 getöteten russischen Soldaten und ca. 750.000 Verwundeten ausgegangen. Auf ukrainischer Seite belaufen sich die Verluste laut Experten realistisch auf bis zu 250.000 Gefallene und Vermisste sowie rund eine halbe Million Verwundete.

Historisches Fazit: Appell gegen die Trägheit

Reisner schloss mit einem eindringlichen historischen Vergleich zum Jahr 1926 in Österreich. Auch damals habe man sich in politischen Grabenkämpfen und Untersuchungsausschüssen verloren, Infrastrukturprojekte blockiert und die Augen vor den aufziehenden Extremen verschlossen – mit den bekannten fatalen Folgen der Jahre 1927, 1934 und 1938.

„Wir sind historische Eintagsfliegen und neigen dazu, zu glauben, Frieden sei der Normalzustand“, resümierte Reisner. „Wenn wir nicht aktiv und wehrhaft an unserem Schicksal arbeiten, treten wir genau in dieselben Fehler hinein wie unsere Vorfahren“, so Reisner abschließend.

Symbolische Rückkehr in die Heimat: Werk von Oskar Sommerfeld an den Deutschen Volksverband in Subotica übergeben

Auf Initiative von Edith Urbanner, der Witwe des gebürtigen Donauschwaben und langjährigen Präsidenten des Verbandes der deutschen altösterreichischen Landsmannschaften Österreichs (VLÖ), Dipl.-Ing. Rudolf Reimann, wurde ein bedeutendes Gemälde des donauschwäbischen Malers Oskar Sommerfeld an seine Bestimmung übergeben. Die Schenkung markiert eine tiefe Verbundenheit zwischen der Geschichte der Donauschwaben und ihrer heutigen kulturellen Arbeit.

Bettina Kapeller-Schramm und Rudolf Weiss anlässlich der Übergabe des Gemäldes des donauschwäbischen Künstlers Oskar Sommerfeld. (Quelle: VLÖ)

Kürzlich überreichte Bettina Kapeller-Schramm, Organisationsreferentin des VLÖ, das Werk feierlich an Rudolf Weiss, den Präsidenten des Deutschen Volksverbandes in Subotica, dem ehemaligen Maria Theresiopel. Die Übergabe ist nicht nur ein Akt der Kunstförderung, sondern auch ein Zeichen der Erinnerungskultur.

Heimkehr eines Meisters der donauschwäbischen Identität

„Nun kehrt ein besonderes Werk des aus Inđija stammenden Malers in seine geliebte Heimat zurück“, betonte Bettina Kapeller-Schramm während der feierlichen Übergabe. Das Gemälde findet seinen Platz in einer Region, die Sommerfeld zeitlebens künstlerisch geprägt hat.

Oskar Sommerfeld (1885–1973), ein akademischer Maler aus Syrmien, gilt als einer der bedeutendsten Chronisten des donauschwäbischen Lebens. Geboren in Indija erlangte er zunächst durch seine atmosphärischen Landschaftsbilder internationale Anerkennung. Später setzte er sich in seinen Arbeiten intensiv mit den traumatischen Erfahrungen von Flucht und Vertreibung auseinander, was insbesondere in seinem eindrucksvollen Zyklus „Donauschwäbische Passion“ zum Ausdruck kommt.

Ein Ehrenplatz in Subotica

Für den Deutschen Volksverband in Subotica stellt die Schenkung eine wertvolle Bereicherung dar. Rudolf Weiss bedankte sich herzlich für die Initiative von Edith Urbanner und die Übergabe durch den VLÖ. „Das Bild, welches das Schicksal unserer Vorfahren so beeindruckend zeigt, erhält in unserem Vereinshaus im Veranstaltungssaal einen Ehrenplatz. Es ist eine tägliche Erinnerung an unsere Wurzeln und die Geschichte, die uns verbindet“, so Rudolf Weiss.

Mit der Platzierung im Veranstaltungssaal des Vereins wird das Werk einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht und dient künftig als kultureller Ankerpunkt für die Gemeinschaft.

Lebenswege zwischen den Welten: Ein Abend über Vertreibung, das Bleiben und den Neubeginn

Am Dienstagabend, den 14. April 2026, wurde das „Haus der Heimat“ in der Wiener Steingasse zum Schauplatz einer bewegenden Zeitreise. Unter dem Titel „Vertrieben – Geblieben“ versammelten sich Zeitzeugen, Nachgeborene und Geschichtsinteressierte, um im Rahmen der Reihe „Forum Heimat“ Schicksale zu hören, die die Zerrissenheit des 20. Jahrhunderts widerspiegeln. Es war ein Abend, der deutlich machte, dass Begriffe wie „Eiserner Vorhang“, „Vertreibung“ oder „Internierung“ keine bloßen Vokabeln der Geschichtsbücher sind, sondern tief in die Biografien vieler Menschen eingegrabene Realitäten.

Einleitung und Begrüßung durch Ing. Norbert Kapeller

VLÖ-Präsident Ing. Norbert Kapeller eröffnete den Abend vor einem voll besetzten Saal. In seiner Begrüßung spannte er den Bogen von der historischen Dokumentation zur heutigen Verantwortung. Er betonte, dass die Arbeit des VLÖ und seiner angeschlossenen Landsmannschaften weit über die bloße Traditionspflege hinausgehe. „Diese persönlichen Berichte und filmischen Dokumentationen sind essenziell, um die Geschichte der Heimatvertriebenen lebendig zu halten und die Brücke in die Gegenwart zu schlagen“, so Kapeller.

Er hob hervor, dass gerade in Zeiten neuer globaler Unsicherheiten das Wissen um Flucht, Vertreibung und den mühsamen Wiederaufbau eine wichtige Lehre für die Gesellschaft darstelle. Die Veranstaltung sollte zeigen, dass es zwei Seiten derselben Medaille gibt: jene, die alles verloren und fliehen mussten, und jene, die blieben und in einer oft feindseligen Umgebung ihre Identität bewahren mussten.

v.l.n.r.: VLÖ-Präsident Ing. Norbert Kapeller; Michaela Jana Löff, Josef Wagner; VLÖ-Vizepräsident Mag. Gerhard Schiestl

Michaela Jana Löff: Das Schicksal derer, die blieben

Als erste Sprecherin gab Michaela Jana Löff (geboren 1975 in Wien) Einblicke in ihre außergewöhnliche Familiengeschichte. Ihre Erzählung begann dort, wo für viele die Geschichte der Vertreibung endet: bei jenen, die nicht gingen. Ihre Großeltern blieben nach 1945 als Österreicher in der Tschechoslowakei zurück. Doch dieses „Bleiben“ war kein Verbleib in der gewohnten Normalität. Frau Löff schilderte eindringlich, wie ihre Vorfahren in ihrer eigenen Heimat plötzlich zu Fremden wurden.

Unter dem aufkommenden kommunistischen Regime waren sie massiven Repressalien ausgesetzt. Sie berichtete von der schleichenden Entrechtung, der Enteignung des mühsam erarbeiteten Besitzes und einer Atmosphäre der ständigen Überwachung und Verfolgung.

Die Großeltern lebten in einer Welt, in der ihre Sprache und Herkunft sie zu Verdächtigen machten.

Ein zentraler Moment ihrer Erzählung war die Geschichte ihrer Mutter. Inmitten dieser bedrückenden Verhältnisse, geprägt von den politischen Spannungen des Prager Frühlings, reifte ein Entschluss. Im Jahr 1968, als sich für einen kurzen Moment die Fenster der Freiheit einen Spalt weit öffneten, traf die Mutter die mutige Entscheidung, die Tschechoslowakei zu verlassen und nach Wien zu gehen. Es war ein Aufbruch ins Ungewisse, getragen von der Hoffnung auf ein Leben ohne Angst. „Es ist eine Geschichte von Stärke, Liebe und Hoffnung“, fasste Frau Löff zusammen.

Ihr Bericht zeigte auf, wie der Eiserne Vorhang nicht nur Länder, sondern Familien zerriss und wie die Sehnsucht nach Freiheit schließlich die physischen und ideologischen Barrieren überwand.

Josef Wagner: Von der Hölle von Gakovo zum Neuanfang in Österreich

Der zweite Teil des Abends gehörte Josef Wagner. Zunächst wurde ein beklemmender, 45-minütiger Ausschnitt eines filmischen Zeitzeugengesprächs gezeigt, das Wagners Odyssee dokumentiert. Wagner selbst war anwesend und verlieh dem Gezeigten eine enorme Authentizität.

Wagners Weg begann mit der kriegsbedingten Evakuierung nach Österreich. Doch die Sehnsucht nach der Heimat war so groß, dass die Familie nach Kriegsende den Versuch unternahm, zurückzukehren. Diese Entscheidung sollte sich als tragisch erweisen. Anstatt die vertraute Heimat wiederzufinden, geriet die Familie in die Fänge der neuen Machthaber und wurde im berüchtigten Lager Gakovo interniert.

Die Bilder und Erzählungen im Film zeichneten ein grauenvolles Bild dieser Zeit: Hunger, Krankheiten und die tägliche Willkür bestimmten das Leben im Lager. „Der Versuch, in die Heimat zurückzukehren, endete tragisch und mündete in der Internierung“, so die sachliche, aber unter der Oberfläche zutiefst erschütternde Zusammenfassung dieser Lebensphase.

Doch Josef Wagner gab nicht auf. Ihm gelang die lebensgefährliche Flucht aus dem Lager. Der Weg führte über Ungarn und schließlich erneut über die Grenze nach Österreich. Hier begann eine ganz andere Herausforderung: die Integration in ein Land, das selbst mit den Trümmern des Krieges kämpfte.


Das Haus der Heimat als Ort der Begegnung

VLÖ-Präsident Kapeller bedankte sich bei Michaela Jana Löff und Josef Wagner für ihre Offenheit. Er betonte abschließend, dass das „Haus der Heimat“ genau für solche Begegnungen der richtige Ort sei – ein Ort, an dem die Vielfalt der altösterreichischen Landsmannschaften zusammentrifft und an dem die Geschichte ein menschliches Gesicht bekommt. Die Veranstaltung endete mit dem Bewusstsein, dass die Freiheit, in der wir heute leben, auf den Opfern und dem Durchhaltewillen von Menschen wie Wagner und der Familie Löff aufgebaut wurde.

Die Dokumentation über Josef Wagner, die im Jahre 2015 im Zuge eines vom VLÖ initiierten Zeitzeugenprojekts entstand, können Sie hier online sehen. Weitere Zeitzeugeninterviews können Sie hier abrufen: https://audiovisuellesarchiv.online/de/collections/15

VLÖ-Spitze trifft CDU/CSU-Delegation in Budapest: Lob für Berlin, Kritik an Wien

Budapest/Wien – Im Rahmen eines mehrtägigen Besuchs der Arbeitsgruppe für Vertriebene und Aussiedler der CDU/CSU-Bundestagsfraktion bei den deutschsprachigen altösterreichischen Minderheiten in Ungarn und Slowenien fand in der Karwoche im April 2026 ein Zusammentreffen mit dem VLÖ in Budapest statt.

Zusammentreffen der Arbeitsgruppe für Vertriebene und Aussiedler der CDU/CSU-Bundestagsfraktion mit den VLÖ-Vertretern in Budapest

Die Delegation bestand aus dem Vorsitzenden der Arbeitsgruppe, Klaus-Peter Willsch (MdB), sowie den stellvertretenden Vorsitzenden: dem Parlamentarischen Staatssekretär beim Bundesminister des Innern, Christoph de Vries (MdB), und BdV-Präsident Stephan Mayer (MdB). Begleitet wurde die Gruppe von Hartmut Koschyk, dem Vorsitzenden des Stiftungsrates der „Stiftung Verbundenheit mit den Deutschen im Ausland“, langjährigen Bundestagsabgeordneten sowie ehemaligen Bundesbeauftragten für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten.

VLÖ-Präsident Ing. Norbert Kapeller und Vizepräsident DDr. Rüdiger Stix dankten der Delegation ausdrücklich für die ideelle und finanzielle Unterstützung der Minderheiten in den ehemaligen Kronländern der österreichisch-ungarischen Monarchie.

Meilenstein für Deutsch-Untersteirer und Gottscheer

„Besonders hervorzuheben ist, dass nun auch die Deutsch-Untersteirer und die Gottscheer in Slowenien in die Förderprogramme aus Berlin aufgenommen wurden“, erklärte Kapeller erleichtert. Der VLÖ-Präsident war selbst an den entsprechenden Verhandlungen in Berlin beteiligt. Dass sich Deutschland über alle Parteigrenzen hinweg institutionell und finanziell für alle deutschsprachigen Altösterreicher in der ehemaligen Donaumonarchie einsetzt, empfinden Kapeller und Stix als vorbildlich – und gleichzeitig als beschämend für die offizielle Republik Österreich, die vergleichbare Initiativen vermissen lässt.

Ein zentrales Ziel des Treffens war die Forderung nach einem gemeinsamen Vorgehen Deutschlands und Österreichs, um eine rechtlich zeitgemäße Anerkennung der deutschen Volksgruppe in Slowenien zu erreichen.

Kritik an österreichischer Passivität Kapeller und Stix verwiesen auf die deutsche Vertriebenenpolitik in Bund und Ländern, die trotz ähnlicher wirtschaftlicher Rahmenbedingungen jährlich mindestens 40 Millionen Euro investiert und diese Mittel aktuell sogar aufgestockt hat.

„In Österreich ist die Situation eine gänzlich andere“, kritisieren Kapeller und Stix. „Derzeit stehen für unsere Arbeit in Österreich keine Mittel zur Verfügung. Eine historische Verantwortung für die deutschsprachigen Altösterreicher in unseren Nachbarstaaten scheint in Wien kaum bekannt zu sein.“ Auch das Projekt, die gemeinsame Geschichte als Teil der österreichischen Identität im „Lernort Österreich“ im Haus der Heimat dauerhaft zu sichern, komme im dritten Jahr der Verhandlungen nicht voran. „Wir hoffen, dass unsere Arbeit – analog zum deutschen Vorbild seit 1949 – endlich aus dem parteipolitischen Hin und Her befreit wird und es zu einer nachhaltigen Lösung kommt“, so die VLÖ-Spitze abschließend.

Lebenswege zwischen den Welten: Zeitzeugengespräche im „Haus der Heimat“

„Vertrieben – Geblieben“: Filmpräsentation und Dialog über Flucht, Vertreibung und das Leben am Eisernen Vorhang am Dienstag, den 14. April 2026 um 18 Uhr im „Haus der Heimat“

Der Verband der deutschen altösterreichischen Landsmannschaften in Österreich (VLÖ) lädt am Dienstag, den 14. April 2026 um 18 Uhr zu einem besonderen Themenabend ein. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Forum Heimat“ werden unter dem Titel „Vertrieben – Geblieben“ die bewegenden Lebensgeschichten von Josef Wagner und der Familie von Michaela Jana Löff beleuchtet.

Filmvorführung: Die Geschichte des Josef Wagner

Ein besonderer Programmpunkt des Abends ist die Vorführung eines filmischen Zeitzeugengesprächs über Josef Wagner, der dem Abend persönlich beiwohnen wird. Josef Wagners Weg war geprägt von der kriegsbedingten Evakuierung nach Österreich und dem tragisch gescheiterten Versuch der Familie, in die Heimat zurückzukehren, was schließlich in der Internierung im Lager Gakovo mündete. Nach der erfolgreichen Flucht aus dem Lager gelangte Wagner über Ungarn erneut nach Österreich, wo er sich über verschiedene berufliche Stationen eine neue Existenz aufbaute und seinen dauerhaften Lebensmittelpunkt fand.

Perspektiven einer Familiengeschichte: Michaela Jana Löff

Zudem wird Michaela Jana Löff (geboren 1975 in Wien) über ihre Familiengeschichte berichten. Ihre Großeltern blieben nach dem Krieg als Österreicher in der Tschechoslowakei zurück – enteignet, entrechtet und unter dem kommunistischen Regime von Verfolgung und Repressalien geprägt. Frau Löff erzählt von der mutigen Entscheidung ihrer Mutter, 1968 nach Wien zu gehen, und von einer Familiengeschichte, die geprägt ist von Stärke, Liebe, Hoffnung und der Überwindung des Eisernen Vorhangs.

„Diese persönlichen Berichte und filmischen Dokumentationen sind essenziell, um die Geschichte der Heimatvertriebenen lebendig zu halten und die Brücke in die Gegenwart zu schlagen“, so VLÖ-Präsident Ing. Norbert Kapeller, der sich auf den Dialog mit den Gästen freut.

„Aus organisatorischen Gründen ersuchen wir interessierte Gäste bereits jetzt um ihre Anmeldung unter 01/7185905 bzw. per E-Mail an sekretariat@vloe.at“, ergänzt Kapeller abschließend.

Veranstaltungsdaten:

Datum: Dienstag, 14. April 2026
Beginn: 18:00 Uhr
Ort: „Haus der Heimat“, Steingasse 25, 1030 Wien
Anmeldung: Tel.: 01/718 59 05 oder per E-Mail an sekretariat@vloe.at

Geopolitik im Zeitalter der KI

DDr. Rüdiger Stix warnte im „Haus der Heimat“ vor den Gefahren technologischer Umbrüche

Vom „Großen Krieg“ zur „Gödel-Maschine“: Der VLÖ beleuchtet in einem inhaltsreichen Vortragsabend die Schnittstellen zwischen österreichischer Geistesgeschichte, globaler Friedensordnung und der drohenden Entfesselung der Künstlichen Intelligenz.

Am Abend des 26. März 2026 versammelten sich zahlreiche Gäste im Wiener „Haus der Heimat“, um im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Forum Heimat“ des Verbandes der deutschen altösterreichischen Landsmannschaften in Österreich (VLÖ) einer fundierten Analyse der aktuellen weltpolitischen Lage beizuwohnen. Unter dem Titel „Vom 1. in den 3. Weltkrieg? Diktatfrieden zwischen Atomspaltung und Künstlicher Intelligenz“ zeichnete DDr. Rüdiger Stix, VLÖ-Vizepräsident, Bundesobmann der Sudetendeutschen Landsmannschaft in Österreich (SLÖ) und Experte für Sicherheitsforschung, ein ebenso faszinierendes wie mahnendes Bild unserer technologischen Zukunft.

Zahlreiche Gäste im „Haus der Heimat“ anlässlich des Vortrages von DDr. Rüdiger Stix
DDr. Rüdiger Stix (l.) und VLÖ-Präsident Ing. Norbert Kapeller

Eröffnung durch VLÖ-Präsident Ing. Norbert Kapeller

VLÖ-Präsident Ing. Norbert Kapeller begrüßte die Anwesenden und unterstrich in seinen einleitenden Worten die Rolle des „Forums Heimat“ als Ort der Begegnung und des Austausches über die brennenden Fragen unserer Zeit. Kapeller hob hervor, wie wichtig es gerade heute sei, den Blick für weitreichende Entwicklungen zu schärfen und gesellschaftlich relevante Themen in einem größeren Kontext zu diskutieren, womit er das Wort an den Referenten des Abends übergab.

Bertha von Suttners Vermächtnis: „Die Waffen nieder!“

Ein emotionaler und programmatischer roter Faden des Abends war die Bezugnahme auf Bertha von Suttner. Rüdiger Stix würdigte die „Pragerdeutsche Österreicherin“ und erste Friedensnobelpreisträgerin als eine visionäre Stimme, deren berühmter Appell „Die Waffen nieder!“ heute eine neue, beängstigende Aktualität erfährt. Stix betonte, dass Suttner bereits vor dem „Großen Krieg“ – der Mutterkatastrophe Europas – eindringlich warnte, ihre Stimme jedoch im Getöse der damaligen Aufrüstung unterging. Im Kontext der heutigen KI-gesteuerten Waffensysteme rief Stix diesen mahnenden Ausspruch mehrmals in Erinnerung: Ein „Die Waffen nieder!“ müsse heute auch bedeuten, die algorithmische Entfesselung des Krieges rechtzeitig zu stoppen, bevor die menschliche Kontrolle endgültig verloren gehe.


Österreich als Wiege der Moderne und die „Gödel-Maschine“

Rüdiger Stix spannte den Bogen weiter zur außergewöhnlichen intellektuellen Strahlkraft des alten Österreichs, das er als „Wiege der Moderne“ bezeichnete. Er erinnerte an Giganten der Wissenschaft wie Ernst Mach, Albert Einstein, Erwin Schrödinger und Lise Meitner. Besonderes Augenmerk legte Stix auf den Mathematiker Kurt Gödel, den „Vater aller Künstlichen Intelligenzen“.

Er kritisierte dabei die „Selbstverzwergung“ Österreichs im Umgang mit diesem Erbe: Während Gödel international als Genie gefeiert werde, sei seine fundamentale Bedeutung für die heutige KI-Entwicklung in seinem Heimatland oft unterrepräsentiert. Während Gödel in Hollywood als Weltstar gefeiert werde, sei ihm im Arkadenhof der Universität Wien noch immer kein angemessenes Denkmal gesetzt worden. Gödels Arbeit bilde die Basis für die „Gödel-Maschine“ – eine Künstliche Allgemeine Intelligenz (AGI), die heute im Zentrum eines globalen Machtkampfes steht.

Geopolitische Verschiebungen: Der „First AI War“

Stix analysierte den aktuellen Konflikt in der Ukraine als den ersten echten „KI-Krieg“ (First AI War), in dem Tech-Giganten bereits die Zukunft automatisierter Schlachtfelder erproben. Er beleuchtete den Aufstieg neuer Supermächte wie China und Indien, die durch die Verbindung von Tradition und modernster Informatik nach der technologischen Singularität streben. Stix warnte davor, dass diese Entwicklung zu einer Welt führen könnte, in der der Mensch als biologisches Wesen durch die KI an den Rand gedrängt oder gar „nicht mehr benötigt“ wird.

Neurotechnologie und mentale Integrität

Ein brisantes Kapitel widmete sich den „Brain-Computer-Interfaces“ (BCI). Stix warnte, dass wir an der Schwelle stünden, an der psychische Prozesse nicht nur ausgelesen, sondern durch KI gesteuert werden könnten. „Gedankenfreiheit fragt heute nach ‚Cognitive Liberties‘ und nach ‚Mentaler Integrität‘“, so Stix. Er forderte ein modernes „Recht auf psychische Kontinuität“, da bestehende Gesetze und Menschenrechtskonventionen den direkten Eingriff einer KI in das menschliche Bewusstsein noch nicht ausreichend erfassen.

Fazit: Verantwortung der Bürger gegen das „KI-Komplott“ Zum Abschluss rief Rüdiger Stix, basierend auf seinem Werk „Das KI-Komplott“, zu einer wachsamen Bürgerschaft auf. Er mahnte, dass technologische Entwicklung ethische Leitplanken benötige, um eine digitale Entmündigung zu verhindern. Rüdiger Stix hinterließ ein Publikum, das sichtlich gebannt von der Tiefe dieser Analysen war. Die Veranstaltung verdeutlichte, „dass die Frage nach der KI heute untrennbar mit Bertha von Suttners altem Ideal des Friedens und der Bewahrung der menschlichen Würde verbunden ist.“, so Stix abschließend.