Militärexperte Reisner im Haus der Heimat

„Wir erleben eine historische Zeitenwende und das unsichtbare Schlachtfeld“

Hochkarätige Analyse von Oberst des Generalstabes Dr. Markus Reisner zur geopolitischen Lage, der technologischen Evolution des Ukraine-Krieges und den konkreten Bedrohungen für Österreichs kritische Infrastruktur.

Auf Einladung von VLÖ-Präsident Ing. Norbert Kapeller analysierte Oberst d.G. Dr. Markus Reisner am 10. Juni 2026 im „Haus der Heimat“ die aktuelle weltpolitische Lage. Der renommierte österreichische Militäranalyst zeichnete in seinem rund 90-minütigen Vortrag ein tiefgehendes, teils aufrüttelndes Bild einer globalen Neuordnung, warnte eindringlich vor den konkreten Gefahren moderner hybrider Kriegsführung für Mitteleuropa und lieferte eine schonungslose Lagebeurteilung.

Die Taktik der schieren Masse und das „gläserne Gefechtsfeld“

Reisner verglich die Dynamik des Abnutzungskrieges mit einem Boxkampf. Während zu Beginn technologische Präzision und taktische Überraschungen Wirkung zeigten, verlagere sich Russland – ähnlich dem historischen Boxer Nikolai Walujew – zunehmend auf die Taktik der schieren Masse an Menschen und Material. Nach Zählung des Experten befindet sich der Konflikt mittlerweile in seiner zehnten Phase und droht an den Frontlinien einzufrieren, da keine Seite mehr signifikante Raumgewinne erzielen kann.

Ursache hierfür ist das sogenannte „gläserne Gefechtsfeld“:

  • Todeszone Drohne: Durch den omnipräsenten Einsatz von Aufklärungs- und Angriffsdrohnen wird jede Truppenansammlung im Keim erstickt. Entlang der Front hat sich eine rund 50 Kilometer breite „Todeszone“ gebildet, in der die Bewegung von gepanzerten Fahrzeugen kaum noch möglich ist.
  • Die Evolution der Systeme: Reisner skizzierte die rasante technologische Entwicklung. Nach analogen und digitalen Systemen fliegt die dritte Generation bereits über bis zu 55 Kilometer lange Glasfaserkabel, was sie absolut immun gegen elektronische Störmaßnahmen macht. Die nun aufkommende vierte Generation operiert vollständig autark mittels Künstlicher Intelligenz (KI).

„Der psychologische Druck ist beispiellos. Soldaten nehmen sich beim bloßen Surren einer Drohne über ihnen das Leben, um nicht auf dem Schlachtfeld qualvoll zu sterben“, so Reisner unter Berufung auf gesichtetes Videomaterial.

Geopolitisches Schachbrett: Globaler Süden vs. Globaler Norden

Der Experte betonte, dass die Ukraine-Frage längst Teil eines weit größeren Konflikts zwischen dem Globalen Süden und dem Globalen Norden ist. Es finde eine historische Emanzipation statt, bei der Regionen wie China und Indien den Anspruch auf eine multipolare Weltordnung erheben und sich nicht mehr vom Westen bevormunden lassen.

  • China agiere als strategischer Kopf im Hintergrund und habe kein Interesse daran, dass Russland verliert, da der Konflikt die USA bindet.
  • Nordkorea fungiert als materieller Motor und hat in den letzten drei Jahren fast 9 Millionen Schuss Artilleriemunition an Russland geliefert – eine Menge, von der westliche Rüstungsschmieden weit entfernt sind.
  • Indien nutzt die Situation pragmatisch, kauft billige Rohstoffe aus Russland und verkauft sie teurer an den Westen weiter.

Gleichzeitig verändern die USA unter der Administration Trump ihre Prioritäten drastisch. Die National Security Strategy sieht einen Rückzug auf die eigene Hemisphäre und Kerninteressen vor. Reisner zitierte die klare Haltung Washingtons: „Europe has to lead when it comes to Russia“ – die Europäer müssen die Führung im Umgang mit Moskau selbst übernehmen, während sich die USA China und dem Pazifik zuwenden.

Österreich im Visier des „unsichtbaren Schlachtfelds“

Besonders eindringlich warnte Oberst Reisner vor der Illusion, Österreich sei durch seine Neutralität geschützt oder geopolitisch isoliert. Österreich liege im Herzen der europäischen Versorgungs- und Kommunikationslinien und spiele eine kritische Rolle. „Das Ziel dieser hybriden Kriegsführung ist es, unsere Gesellschaft zu spalten, Verwirrung zu stiften und uns die Deutungshoheit zu nehmen“, warnte Reisner.

Schonungslose Bilanz der Verlustzahlen

Auf Nachfrage aus dem Publikum bezüglich der realen Verluste nannte Reisner die folgenden Zahlen: Nach rund vier Kriegsjahren wird von 350.000 getöteten russischen Soldaten und ca. 750.000 Verwundeten ausgegangen. Auf ukrainischer Seite belaufen sich die Verluste laut Experten realistisch auf bis zu 250.000 Gefallene und Vermisste sowie rund eine halbe Million Verwundete.

Historisches Fazit: Appell gegen die Trägheit

Reisner schloss mit einem eindringlichen historischen Vergleich zum Jahr 1926 in Österreich. Auch damals habe man sich in politischen Grabenkämpfen und Untersuchungsausschüssen verloren, Infrastrukturprojekte blockiert und die Augen vor den aufziehenden Extremen verschlossen – mit den bekannten fatalen Folgen der Jahre 1927, 1934 und 1938.

„Wir sind historische Eintagsfliegen und neigen dazu, zu glauben, Frieden sei der Normalzustand“, resümierte Reisner. „Wenn wir nicht aktiv und wehrhaft an unserem Schicksal arbeiten, treten wir genau in dieselben Fehler hinein wie unsere Vorfahren“, so Reisner abschließend.

Gottscheer Landsmannschaft in Klagenfurt

Das Gottscheer Land, 1330 von den Grafen von Ortenburg mit Bewohnern aus Oberkärnten und Osttirol urbar gemacht, war bis zur Umsiedlung in den Wintermonaten 1941/1942 die Heimat der Gottscheer. Nach dem Zerfall des Habsburger Reiches bzw. nach dem Ersten Weltkrieg kam es schon zu ersten Veränderungen, denn die Sprachinselbewoh­ner wurden jugoslawische Staatsbürger. Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges kam dann das endgültige Aus, denn die nach der Umsiedlung in der Untersteiermark lebenden Gottscheer wurden vertrieben und mussten flüchten. Sie waren nun endgültig heimatlos.

Viele Landsleute waren jedoch schon vor den Weltkriegen vor allem in die Neue Welt ausgewandert, andere fanden auch in Österreich eine neue Heimat. Die Gründe waren unterschiedlich. Damit sie Unterstützung und Hilfe sowie Heimatersatz finden konnten, wurden von den Gottscheern Vereine gegründet.

Bereits im Mai 1919 kam es in Graz zur Gründung des Vereines „Gottscheerland“. Eine Zweigstelle gab es ab 1919 auch in Klagenfurt, die 1928 selbständig wurde, jedoch während des 2. Weltkrieges ihre Tätigkeit einstellte.

1952 war das eigentliche Gründungs­jahr des Gottscheer Vereines in Klagen­furt unter dem Namen „Hilfsverein der Gottscheer und Deutsch-Krainer“. Die Gründungshauptversammlung war am 9. November.

1959 wurde aus dem Hilfsverein die „Gottscheer Landsmannschaft in Klagenfurt“, welche auch die Gottscheer Zeitung herausgibt; diese wurde 1904 in Gottschee gegründet und nach den Kriegsereignissen 1955 in Klagenfurt wiederbegründet.

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Nachruf auf Dr. Ondrej Pöss: Der VLÖ trauert um eine Schlüsselfigur der karpatendeutschen Gemeinschaft

Mit tiefer Trauer und großer Dankbarkeit nimmt der Verband der deutschen altösterreichischen Landsmannschaften in Österreich (VLÖ) Abschied von Dr. Ondrej Pöss. Der langjährige Vorsitzende des Karpatendeutschen Vereins (KDV) in der Slowakei und Gründungsdirektor des Museums der Kultur der Karpatendeutschen ist am 20. April 2026 nach schwerer Krankheit im Alter von 75 Jahren verstorben.

Dr. Ondrej Pöss wurde 2017 in Pressburg mit der Silbernen Ehrennadel des VLÖ ausgezeichnet.

„Wir verlieren mit Dr. Ondrej Pöss nicht nur einen hochgeschätzten Experten und Wissenschaftler, sondern vor allem einen treuen Freund und einen unermüdlichen Brückenbauer in Europa“, würdigen VLÖ-Präsident Ing. Norbert Kapeller und die Obfrau der Karpatendeutschen Landsmannschaft in Österreich, Christine Lehr, gemeinsam mit den VLÖ-Vorstandsmitgliedern den Verstorbenen. Sein Wirken war über Jahrzehnte hinweg die tragende Säule für den Erhalt der karpatendeutschen Identität und Kultur in der Slowakei.

Ein Leben für das kulturelle Erbe

Dr. Pöss verstand es wie kaum ein anderer, die Geschichte der deutschen Minderheit in der Slowakei für eine breite Öffentlichkeit sichtbar zu machen. Sein Name bleibt untrennbar mit dem Aufbau des Museums der Kultur der Karpatendeutschen in Preßburg (Bratislava) verbunden. Durch seine wissenschaftliche Arbeit und seine Gabe zur Vermittlung schuf er Orte der Begegnung und des Gedenkens, die weit über nationale Grenzen hinaus ausstrahlen.

Enger Weggefährte des VLÖ

Die Verbundenheit zum VLÖ war geprägt von tiefem Vertrauen und gemeinsamer Tatkraft. Ein besonderes Zeugnis dieser Zusammenarbeit war das 17. VLÖ-Volksgruppensymposium 2017 in Pressburg, das Dr. Pöss unter dem Leitmotiv „Versöhnung braucht Wahrheit“ gemeinsam mit Erika König maßgeblich mitgestaltete. Für sein „nimmermüdes Engagement im Sinne der Belange der karpatendeutschen Volksgruppe“ wurde ihm in diesem feierlichen Rahmen die „Silberne Ehrennadel des VLÖ“ verliehen – eine Auszeichnung, die seinen unermüdlichen Einsatz für die Gemeinschaft würdigte.

Stimme der Versöhnung

Dr. Pöss war ein Mann des Dialogs. Ob bei der Ausarbeitung der „Pressburger Resolution“ oder im Rahmen von Gedenkfeiern wie am Mahnmal am Braunsberg – stets suchte er den Weg der Verständigung und des geschichtlichen Ausgleichs. Sein Bestreben, die deutsche Minderheit als aktive und gestaltende Kraft in der Gesellschaft zu positionieren, bleibt ein bleibendes Vorbild für die Volksgruppenarbeit.

„Ondrej Pöss hinterlässt eine schmerzliche Lücke in unseren Reihen. Seine menschliche Wärme, sein Humor und seine kluge Besonnenheit werden uns fehlen“, so Kapeller und Lehr abschließend. „Sein Lebenswerk ist jedoch fest in unseren Herzen und in den Institutionen, die er geschaffen hat, verankert.“ Der VLÖ spricht der Trauerfamilie sein tief empfundenes Beileid aus.

Symbolische Rückkehr in die Heimat: Werk von Oskar Sommerfeld an den Deutschen Volksverband in Subotica übergeben

Auf Initiative von Edith Urbanner, der Witwe des gebürtigen Donauschwaben und langjährigen Präsidenten des Verbandes der deutschen altösterreichischen Landsmannschaften Österreichs (VLÖ), Dipl.-Ing. Rudolf Reimann, wurde ein bedeutendes Gemälde des donauschwäbischen Malers Oskar Sommerfeld an seine Bestimmung übergeben. Die Schenkung markiert eine tiefe Verbundenheit zwischen der Geschichte der Donauschwaben und ihrer heutigen kulturellen Arbeit.

Bettina Kapeller-Schramm und Rudolf Weiss anlässlich der Übergabe des Gemäldes des donauschwäbischen Künstlers Oskar Sommerfeld. (Quelle: VLÖ)

Kürzlich überreichte Bettina Kapeller-Schramm, Organisationsreferentin des VLÖ, das Werk feierlich an Rudolf Weiss, den Präsidenten des Deutschen Volksverbandes in Subotica, dem ehemaligen Maria Theresiopel. Die Übergabe ist nicht nur ein Akt der Kunstförderung, sondern auch ein Zeichen der Erinnerungskultur.

Heimkehr eines Meisters der donauschwäbischen Identität

„Nun kehrt ein besonderes Werk des aus Inđija stammenden Malers in seine geliebte Heimat zurück“, betonte Bettina Kapeller-Schramm während der feierlichen Übergabe. Das Gemälde findet seinen Platz in einer Region, die Sommerfeld zeitlebens künstlerisch geprägt hat.

Oskar Sommerfeld (1885–1973), ein akademischer Maler aus Syrmien, gilt als einer der bedeutendsten Chronisten des donauschwäbischen Lebens. Geboren in Indija erlangte er zunächst durch seine atmosphärischen Landschaftsbilder internationale Anerkennung. Später setzte er sich in seinen Arbeiten intensiv mit den traumatischen Erfahrungen von Flucht und Vertreibung auseinander, was insbesondere in seinem eindrucksvollen Zyklus „Donauschwäbische Passion“ zum Ausdruck kommt.

Ein Ehrenplatz in Subotica

Für den Deutschen Volksverband in Subotica stellt die Schenkung eine wertvolle Bereicherung dar. Rudolf Weiss bedankte sich herzlich für die Initiative von Edith Urbanner und die Übergabe durch den VLÖ. „Das Bild, welches das Schicksal unserer Vorfahren so beeindruckend zeigt, erhält in unserem Vereinshaus im Veranstaltungssaal einen Ehrenplatz. Es ist eine tägliche Erinnerung an unsere Wurzeln und die Geschichte, die uns verbindet“, so Rudolf Weiss.

Mit der Platzierung im Veranstaltungssaal des Vereins wird das Werk einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht und dient künftig als kultureller Ankerpunkt für die Gemeinschaft.

Lebenswege zwischen den Welten: Ein Abend über Vertreibung, das Bleiben und den Neubeginn

Am Dienstagabend, den 14. April 2026, wurde das „Haus der Heimat“ in der Wiener Steingasse zum Schauplatz einer bewegenden Zeitreise. Unter dem Titel „Vertrieben – Geblieben“ versammelten sich Zeitzeugen, Nachgeborene und Geschichtsinteressierte, um im Rahmen der Reihe „Forum Heimat“ Schicksale zu hören, die die Zerrissenheit des 20. Jahrhunderts widerspiegeln. Es war ein Abend, der deutlich machte, dass Begriffe wie „Eiserner Vorhang“, „Vertreibung“ oder „Internierung“ keine bloßen Vokabeln der Geschichtsbücher sind, sondern tief in die Biografien vieler Menschen eingegrabene Realitäten.

Einleitung und Begrüßung durch Ing. Norbert Kapeller

VLÖ-Präsident Ing. Norbert Kapeller eröffnete den Abend vor einem voll besetzten Saal. In seiner Begrüßung spannte er den Bogen von der historischen Dokumentation zur heutigen Verantwortung. Er betonte, dass die Arbeit des VLÖ und seiner angeschlossenen Landsmannschaften weit über die bloße Traditionspflege hinausgehe. „Diese persönlichen Berichte und filmischen Dokumentationen sind essenziell, um die Geschichte der Heimatvertriebenen lebendig zu halten und die Brücke in die Gegenwart zu schlagen“, so Kapeller.

Er hob hervor, dass gerade in Zeiten neuer globaler Unsicherheiten das Wissen um Flucht, Vertreibung und den mühsamen Wiederaufbau eine wichtige Lehre für die Gesellschaft darstelle. Die Veranstaltung sollte zeigen, dass es zwei Seiten derselben Medaille gibt: jene, die alles verloren und fliehen mussten, und jene, die blieben und in einer oft feindseligen Umgebung ihre Identität bewahren mussten.

v.l.n.r.: VLÖ-Präsident Ing. Norbert Kapeller; Michaela Jana Löff, Josef Wagner; VLÖ-Vizepräsident Mag. Gerhard Schiestl

Michaela Jana Löff: Das Schicksal derer, die blieben

Als erste Sprecherin gab Michaela Jana Löff (geboren 1975 in Wien) Einblicke in ihre außergewöhnliche Familiengeschichte. Ihre Erzählung begann dort, wo für viele die Geschichte der Vertreibung endet: bei jenen, die nicht gingen. Ihre Großeltern blieben nach 1945 als Österreicher in der Tschechoslowakei zurück. Doch dieses „Bleiben“ war kein Verbleib in der gewohnten Normalität. Frau Löff schilderte eindringlich, wie ihre Vorfahren in ihrer eigenen Heimat plötzlich zu Fremden wurden.

Unter dem aufkommenden kommunistischen Regime waren sie massiven Repressalien ausgesetzt. Sie berichtete von der schleichenden Entrechtung, der Enteignung des mühsam erarbeiteten Besitzes und einer Atmosphäre der ständigen Überwachung und Verfolgung.

Die Großeltern lebten in einer Welt, in der ihre Sprache und Herkunft sie zu Verdächtigen machten.

Ein zentraler Moment ihrer Erzählung war die Geschichte ihrer Mutter. Inmitten dieser bedrückenden Verhältnisse, geprägt von den politischen Spannungen des Prager Frühlings, reifte ein Entschluss. Im Jahr 1968, als sich für einen kurzen Moment die Fenster der Freiheit einen Spalt weit öffneten, traf die Mutter die mutige Entscheidung, die Tschechoslowakei zu verlassen und nach Wien zu gehen. Es war ein Aufbruch ins Ungewisse, getragen von der Hoffnung auf ein Leben ohne Angst. „Es ist eine Geschichte von Stärke, Liebe und Hoffnung“, fasste Frau Löff zusammen.

Ihr Bericht zeigte auf, wie der Eiserne Vorhang nicht nur Länder, sondern Familien zerriss und wie die Sehnsucht nach Freiheit schließlich die physischen und ideologischen Barrieren überwand.

Josef Wagner: Von der Hölle von Gakovo zum Neuanfang in Österreich

Der zweite Teil des Abends gehörte Josef Wagner. Zunächst wurde ein beklemmender, 45-minütiger Ausschnitt eines filmischen Zeitzeugengesprächs gezeigt, das Wagners Odyssee dokumentiert. Wagner selbst war anwesend und verlieh dem Gezeigten eine enorme Authentizität.

Wagners Weg begann mit der kriegsbedingten Evakuierung nach Österreich. Doch die Sehnsucht nach der Heimat war so groß, dass die Familie nach Kriegsende den Versuch unternahm, zurückzukehren. Diese Entscheidung sollte sich als tragisch erweisen. Anstatt die vertraute Heimat wiederzufinden, geriet die Familie in die Fänge der neuen Machthaber und wurde im berüchtigten Lager Gakovo interniert.

Die Bilder und Erzählungen im Film zeichneten ein grauenvolles Bild dieser Zeit: Hunger, Krankheiten und die tägliche Willkür bestimmten das Leben im Lager. „Der Versuch, in die Heimat zurückzukehren, endete tragisch und mündete in der Internierung“, so die sachliche, aber unter der Oberfläche zutiefst erschütternde Zusammenfassung dieser Lebensphase.

Doch Josef Wagner gab nicht auf. Ihm gelang die lebensgefährliche Flucht aus dem Lager. Der Weg führte über Ungarn und schließlich erneut über die Grenze nach Österreich. Hier begann eine ganz andere Herausforderung: die Integration in ein Land, das selbst mit den Trümmern des Krieges kämpfte.


Das Haus der Heimat als Ort der Begegnung

VLÖ-Präsident Kapeller bedankte sich bei Michaela Jana Löff und Josef Wagner für ihre Offenheit. Er betonte abschließend, dass das „Haus der Heimat“ genau für solche Begegnungen der richtige Ort sei – ein Ort, an dem die Vielfalt der altösterreichischen Landsmannschaften zusammentrifft und an dem die Geschichte ein menschliches Gesicht bekommt. Die Veranstaltung endete mit dem Bewusstsein, dass die Freiheit, in der wir heute leben, auf den Opfern und dem Durchhaltewillen von Menschen wie Wagner und der Familie Löff aufgebaut wurde.

Die Dokumentation über Josef Wagner, die im Jahre 2015 im Zuge eines vom VLÖ initiierten Zeitzeugenprojekts entstand, können Sie hier online sehen. Weitere Zeitzeugeninterviews können Sie hier abrufen: https://audiovisuellesarchiv.online/de/collections/15

VLÖ-Spitze trifft CDU/CSU-Delegation in Budapest: Lob für Berlin, Kritik an Wien

Budapest/Wien – Im Rahmen eines mehrtägigen Besuchs der Arbeitsgruppe für Vertriebene und Aussiedler der CDU/CSU-Bundestagsfraktion bei den deutschsprachigen altösterreichischen Minderheiten in Ungarn und Slowenien fand in der Karwoche im April 2026 ein Zusammentreffen mit dem VLÖ in Budapest statt.

Zusammentreffen der Arbeitsgruppe für Vertriebene und Aussiedler der CDU/CSU-Bundestagsfraktion mit den VLÖ-Vertretern in Budapest

Die Delegation bestand aus dem Vorsitzenden der Arbeitsgruppe, Klaus-Peter Willsch (MdB), sowie den stellvertretenden Vorsitzenden: dem Parlamentarischen Staatssekretär beim Bundesminister des Innern, Christoph de Vries (MdB), und BdV-Präsident Stephan Mayer (MdB). Begleitet wurde die Gruppe von Hartmut Koschyk, dem Vorsitzenden des Stiftungsrates der „Stiftung Verbundenheit mit den Deutschen im Ausland“, langjährigen Bundestagsabgeordneten sowie ehemaligen Bundesbeauftragten für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten.

VLÖ-Präsident Ing. Norbert Kapeller und Vizepräsident DDr. Rüdiger Stix dankten der Delegation ausdrücklich für die ideelle und finanzielle Unterstützung der Minderheiten in den ehemaligen Kronländern der österreichisch-ungarischen Monarchie.

Meilenstein für Deutsch-Untersteirer und Gottscheer

„Besonders hervorzuheben ist, dass nun auch die Deutsch-Untersteirer und die Gottscheer in Slowenien in die Förderprogramme aus Berlin aufgenommen wurden“, erklärte Kapeller erleichtert. Der VLÖ-Präsident war selbst an den entsprechenden Verhandlungen in Berlin beteiligt. Dass sich Deutschland über alle Parteigrenzen hinweg institutionell und finanziell für alle deutschsprachigen Altösterreicher in der ehemaligen Donaumonarchie einsetzt, empfinden Kapeller und Stix als vorbildlich – und gleichzeitig als beschämend für die offizielle Republik Österreich, die vergleichbare Initiativen vermissen lässt.

Ein zentrales Ziel des Treffens war die Forderung nach einem gemeinsamen Vorgehen Deutschlands und Österreichs, um eine rechtlich zeitgemäße Anerkennung der deutschen Volksgruppe in Slowenien zu erreichen.

Kritik an österreichischer Passivität Kapeller und Stix verwiesen auf die deutsche Vertriebenenpolitik in Bund und Ländern, die trotz ähnlicher wirtschaftlicher Rahmenbedingungen jährlich mindestens 40 Millionen Euro investiert und diese Mittel aktuell sogar aufgestockt hat.

„In Österreich ist die Situation eine gänzlich andere“, kritisieren Kapeller und Stix. „Derzeit stehen für unsere Arbeit in Österreich keine Mittel zur Verfügung. Eine historische Verantwortung für die deutschsprachigen Altösterreicher in unseren Nachbarstaaten scheint in Wien kaum bekannt zu sein.“ Auch das Projekt, die gemeinsame Geschichte als Teil der österreichischen Identität im „Lernort Österreich“ im Haus der Heimat dauerhaft zu sichern, komme im dritten Jahr der Verhandlungen nicht voran. „Wir hoffen, dass unsere Arbeit – analog zum deutschen Vorbild seit 1949 – endlich aus dem parteipolitischen Hin und Her befreit wird und es zu einer nachhaltigen Lösung kommt“, so die VLÖ-Spitze abschließend.

Lebenswege zwischen den Welten: Zeitzeugengespräche im „Haus der Heimat“

„Vertrieben – Geblieben“: Filmpräsentation und Dialog über Flucht, Vertreibung und das Leben am Eisernen Vorhang am Dienstag, den 14. April 2026 um 18 Uhr im „Haus der Heimat“

Der Verband der deutschen altösterreichischen Landsmannschaften in Österreich (VLÖ) lädt am Dienstag, den 14. April 2026 um 18 Uhr zu einem besonderen Themenabend ein. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Forum Heimat“ werden unter dem Titel „Vertrieben – Geblieben“ die bewegenden Lebensgeschichten von Josef Wagner und der Familie von Michaela Jana Löff beleuchtet.

Filmvorführung: Die Geschichte des Josef Wagner

Ein besonderer Programmpunkt des Abends ist die Vorführung eines filmischen Zeitzeugengesprächs über Josef Wagner, der dem Abend persönlich beiwohnen wird. Josef Wagners Weg war geprägt von der kriegsbedingten Evakuierung nach Österreich und dem tragisch gescheiterten Versuch der Familie, in die Heimat zurückzukehren, was schließlich in der Internierung im Lager Gakovo mündete. Nach der erfolgreichen Flucht aus dem Lager gelangte Wagner über Ungarn erneut nach Österreich, wo er sich über verschiedene berufliche Stationen eine neue Existenz aufbaute und seinen dauerhaften Lebensmittelpunkt fand.

Perspektiven einer Familiengeschichte: Michaela Jana Löff

Zudem wird Michaela Jana Löff (geboren 1975 in Wien) über ihre Familiengeschichte berichten. Ihre Großeltern blieben nach dem Krieg als Österreicher in der Tschechoslowakei zurück – enteignet, entrechtet und unter dem kommunistischen Regime von Verfolgung und Repressalien geprägt. Frau Löff erzählt von der mutigen Entscheidung ihrer Mutter, 1968 nach Wien zu gehen, und von einer Familiengeschichte, die geprägt ist von Stärke, Liebe, Hoffnung und der Überwindung des Eisernen Vorhangs.

„Diese persönlichen Berichte und filmischen Dokumentationen sind essenziell, um die Geschichte der Heimatvertriebenen lebendig zu halten und die Brücke in die Gegenwart zu schlagen“, so VLÖ-Präsident Ing. Norbert Kapeller, der sich auf den Dialog mit den Gästen freut.

„Aus organisatorischen Gründen ersuchen wir interessierte Gäste bereits jetzt um ihre Anmeldung unter 01/7185905 bzw. per E-Mail an sekretariat@vloe.at“, ergänzt Kapeller abschließend.

Veranstaltungsdaten:

Datum: Dienstag, 14. April 2026
Beginn: 18:00 Uhr
Ort: „Haus der Heimat“, Steingasse 25, 1030 Wien
Anmeldung: Tel.: 01/718 59 05 oder per E-Mail an sekretariat@vloe.at

Geopolitik im Zeitalter der KI

DDr. Rüdiger Stix warnte im „Haus der Heimat“ vor den Gefahren technologischer Umbrüche

Vom „Großen Krieg“ zur „Gödel-Maschine“: Der VLÖ beleuchtet in einem inhaltsreichen Vortragsabend die Schnittstellen zwischen österreichischer Geistesgeschichte, globaler Friedensordnung und der drohenden Entfesselung der Künstlichen Intelligenz.

Am Abend des 26. März 2026 versammelten sich zahlreiche Gäste im Wiener „Haus der Heimat“, um im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Forum Heimat“ des Verbandes der deutschen altösterreichischen Landsmannschaften in Österreich (VLÖ) einer fundierten Analyse der aktuellen weltpolitischen Lage beizuwohnen. Unter dem Titel „Vom 1. in den 3. Weltkrieg? Diktatfrieden zwischen Atomspaltung und Künstlicher Intelligenz“ zeichnete DDr. Rüdiger Stix, VLÖ-Vizepräsident, Bundesobmann der Sudetendeutschen Landsmannschaft in Österreich (SLÖ) und Experte für Sicherheitsforschung, ein ebenso faszinierendes wie mahnendes Bild unserer technologischen Zukunft.

Zahlreiche Gäste im „Haus der Heimat“ anlässlich des Vortrages von DDr. Rüdiger Stix
DDr. Rüdiger Stix (l.) und VLÖ-Präsident Ing. Norbert Kapeller

Eröffnung durch VLÖ-Präsident Ing. Norbert Kapeller

VLÖ-Präsident Ing. Norbert Kapeller begrüßte die Anwesenden und unterstrich in seinen einleitenden Worten die Rolle des „Forums Heimat“ als Ort der Begegnung und des Austausches über die brennenden Fragen unserer Zeit. Kapeller hob hervor, wie wichtig es gerade heute sei, den Blick für weitreichende Entwicklungen zu schärfen und gesellschaftlich relevante Themen in einem größeren Kontext zu diskutieren, womit er das Wort an den Referenten des Abends übergab.

Bertha von Suttners Vermächtnis: „Die Waffen nieder!“

Ein emotionaler und programmatischer roter Faden des Abends war die Bezugnahme auf Bertha von Suttner. Rüdiger Stix würdigte die „Pragerdeutsche Österreicherin“ und erste Friedensnobelpreisträgerin als eine visionäre Stimme, deren berühmter Appell „Die Waffen nieder!“ heute eine neue, beängstigende Aktualität erfährt. Stix betonte, dass Suttner bereits vor dem „Großen Krieg“ – der Mutterkatastrophe Europas – eindringlich warnte, ihre Stimme jedoch im Getöse der damaligen Aufrüstung unterging. Im Kontext der heutigen KI-gesteuerten Waffensysteme rief Stix diesen mahnenden Ausspruch mehrmals in Erinnerung: Ein „Die Waffen nieder!“ müsse heute auch bedeuten, die algorithmische Entfesselung des Krieges rechtzeitig zu stoppen, bevor die menschliche Kontrolle endgültig verloren gehe.


Österreich als Wiege der Moderne und die „Gödel-Maschine“

Rüdiger Stix spannte den Bogen weiter zur außergewöhnlichen intellektuellen Strahlkraft des alten Österreichs, das er als „Wiege der Moderne“ bezeichnete. Er erinnerte an Giganten der Wissenschaft wie Ernst Mach, Albert Einstein, Erwin Schrödinger und Lise Meitner. Besonderes Augenmerk legte Stix auf den Mathematiker Kurt Gödel, den „Vater aller Künstlichen Intelligenzen“.

Er kritisierte dabei die „Selbstverzwergung“ Österreichs im Umgang mit diesem Erbe: Während Gödel international als Genie gefeiert werde, sei seine fundamentale Bedeutung für die heutige KI-Entwicklung in seinem Heimatland oft unterrepräsentiert. Während Gödel in Hollywood als Weltstar gefeiert werde, sei ihm im Arkadenhof der Universität Wien noch immer kein angemessenes Denkmal gesetzt worden. Gödels Arbeit bilde die Basis für die „Gödel-Maschine“ – eine Künstliche Allgemeine Intelligenz (AGI), die heute im Zentrum eines globalen Machtkampfes steht.

Geopolitische Verschiebungen: Der „First AI War“

Stix analysierte den aktuellen Konflikt in der Ukraine als den ersten echten „KI-Krieg“ (First AI War), in dem Tech-Giganten bereits die Zukunft automatisierter Schlachtfelder erproben. Er beleuchtete den Aufstieg neuer Supermächte wie China und Indien, die durch die Verbindung von Tradition und modernster Informatik nach der technologischen Singularität streben. Stix warnte davor, dass diese Entwicklung zu einer Welt führen könnte, in der der Mensch als biologisches Wesen durch die KI an den Rand gedrängt oder gar „nicht mehr benötigt“ wird.

Neurotechnologie und mentale Integrität

Ein brisantes Kapitel widmete sich den „Brain-Computer-Interfaces“ (BCI). Stix warnte, dass wir an der Schwelle stünden, an der psychische Prozesse nicht nur ausgelesen, sondern durch KI gesteuert werden könnten. „Gedankenfreiheit fragt heute nach ‚Cognitive Liberties‘ und nach ‚Mentaler Integrität‘“, so Stix. Er forderte ein modernes „Recht auf psychische Kontinuität“, da bestehende Gesetze und Menschenrechtskonventionen den direkten Eingriff einer KI in das menschliche Bewusstsein noch nicht ausreichend erfassen.

Fazit: Verantwortung der Bürger gegen das „KI-Komplott“ Zum Abschluss rief Rüdiger Stix, basierend auf seinem Werk „Das KI-Komplott“, zu einer wachsamen Bürgerschaft auf. Er mahnte, dass technologische Entwicklung ethische Leitplanken benötige, um eine digitale Entmündigung zu verhindern. Rüdiger Stix hinterließ ein Publikum, das sichtlich gebannt von der Tiefe dieser Analysen war. Die Veranstaltung verdeutlichte, „dass die Frage nach der KI heute untrennbar mit Bertha von Suttners altem Ideal des Friedens und der Bewahrung der menschlichen Würde verbunden ist.“, so Stix abschließend.

Die Ökonomie der Macht und das Erbe Europas

Prof. Roman Sandgruber begeisterte im Haus der Heimat mit profunder Analyse der Habsburger

Ein besonderer Abend, der den Bogen von den Silberminen Südamerikas bis zur Zukunft des europäischen Einigungsgedankens spannte: Am Dienstag, den 10. Februar 2026, luden der Verband der deutschen altösterreichischen Landsmannschaften in Österreich (VLÖ) und die Paneuropabewegung Österreich zu einer außergewöhnlich gut besuchten Buchpräsentation in das Wiener „Haus der Heimat“. Der renommierte Historiker Prof. Dr. Roman Sandgruber präsentierte sein neues Standardwerk „Habsburg. Die wichtigste Dynastie der Welt“ und lieferte eine Analyse, die weit über gängige Geschichtsbücher hinausgeht.

Im Bild (v.l.n.r.): Paneuropa-Präsident Rainhard Kloucek; Militärerzdekan Dr. Harald Tripp; VLÖ-Vizepräsident Mag. Gerhard Schiestl; Ulrike Habsburg-Lothringen; Prof. Dr. Roman Sandgruber; VLÖ-Ehrenpräsident Mag. Ludwig Niestelberger; VLÖ-Präsident Ing. Norbert Kapeller

Nachdem VLÖ-Präsident Norbert Kapeller das vollbesetzte Forum begrüßt und die besondere Bedeutung des „Hauses der Heimat“ als lebendigen Ort der Erinnerungskultur und Brücke zur Geschichte Altösterreichs hervorgehoben hatte, übergab er das Podium an den Ehrengast des Abends. Prof. Roman Sandgruber entfaltete daraufhin ein faszinierendes Panorama von 750 Jahren Weltgeschichte, das die Zuhörer durch seine analytische Schärfe und eine außergewöhnliche Detailtiefe von der ersten Minute an in seinen Bann zog.

Revision eines Weltbildes: Realpolitik statt Hochzeitsglück

Ein zentraler Punkt von Sandgrubers Ausführungen war die kritische Revision des berühmten Mottos „Bella gerant alii, tu felix Austria nube“. Der Autor räumte mit der romantisierten Vorstellung auf, die Habsburger hätten ihr Weltreich allein durch glückliche Eheschließungen „zusammengeheiratet“. Er legte detailliert dar, dass jede strategische Verbindung das Ergebnis einer harten, oft skrupellosen Machtpolitik war. „Hinter den Vorhängen der Brautgemächer standen oft genug die Generäle bereit“, so Sandgruber pointiert.

Viele dieser Heiraten dienten primär dazu, territoriale Ansprüche zu zementieren, die jedoch fast ausnahmslos in langwierigen und blutigen Erbfolgekriegen verteidigt werden mussten. Das „glückliche Österreich“ war in der Realität oft ein Schauplatz permanenter militärischer Mobilmachung, um die durch Heiratsverträge gewonnenen Gebiete gegen konkurrierende Mächte zu behaupten. Damit zeichnete Sandgruber die europäische Landkarte als ein über Jahrhunderte umkämpftes Schachbrett dynastischer Interessen neu.

Die Ökonomie der Macht: Salz, Silber und globales Kapital

Als einer der profiliertesten Wirtschafts- und Sozialhistoriker Österreichs legte Sandgruber besonderes Augenmerk auf die materiellen Grundlagen des Imperiums. Er verdeutlichte, dass die imperiale Größe nicht allein auf Diplomatie und Kriegskunst beruhte, sondern auf einer soliden Ressourcenbasis. Besonders hob er die Bedeutung des „Weißen Goldes“ – des Salzes aus dem Salzkammergut – und der Silbervorkommen in Tirol und Böhmen hervor. Diese Schätze ermöglichten es den Habsburgern, die enormen Kosten für den Verwaltungsapparat und die stehenden Heere zu decken und sich zeitweise von den Bewilligungen der Landstände unabhängig zu machen.

Sandgruber beschrieb Habsburg als den ersten echten „Global Player“, dessen wirtschaftliche Fäden von Wien über Madrid bis in die Silberminen von Potosí in Südamerika reichten. Diese transatlantische Dimension der Macht, die Gold- und Silberströme aus der Neuen Welt mit der europäischen Hochpolitik verknüpfte, bildete das Rückgrat einer Herrschaft, in der sprichwörtlich die Sonne nie unterging.

Supranationale Identität im Wandel der Zeit

„Das Reich der Habsburger diente am Abend als Reflexionsfläche für das moderne Europa: Ein Vielvölkerstaat, der durch seine rechtliche Klammer unterschiedlichste Ethnien und Religionen vereinte und damit als historisches Modell für die heutige europäische Idee der ‚Einheit in der Vielfalt‘ gelten kann“, so VLÖ-Präsident Norbert Kapeller und Paneuropa-Präsident Rainhard Kloucek gemeinsam. Für den VLÖ und die Paneuropabewegung ist dieses Erbe von zentraler Bedeutung:

  • Wurzeln im Donauraum: Der Vortrag beleuchtete die historischen Ursprünge einer übernationalen Identität, die gerade für die altösterreichischen Volksgruppen heute noch prägend ist.
  • Modell Europa: Das habsburgische Experiment des Zusammenlebens verschiedenster Völker wurde nicht als nostalgische Rückschau, sondern als wertvoller Debattenbeitrag für die Herausforderungen der modernen Europäischen Union gewürdigt.
  • Rechtsstaatlichkeit: Sandgruber betonte, dass der Zusammenhalt dieses Riesenreiches oft weniger auf Gewalt als vielmehr auf einer funktionierenden Bürokratie und einem gemeinsamen Rechtssystem basierte.

Ein Abend des Austauschs Zum Abschluss der Veranstaltung nutzten zahlreiche Besucher die Gelegenheit, ihre Exemplare von Prof. Sandgruber persönlich signieren zu lassen. „Die Atmosphäre im Haus der Heimat war dabei geprägt von einem tiefen Bewusstsein für die eigene Geschichte und deren Bedeutung für die Zukunft. Das Werk Habsburg. Die wichtigste Dynastie der Welt“, erschienen bei Styria (Styriabooks), bietet auf Basis neuester Forschung eine kompakte und zugleich tiefgründige Chronik von politischen Triumphen und menschlichen Schicksalen“, so Kapeller und Kloucek abschließend.

Abschied von einer Brückenbauerin: In Gedenken an Veronika Haring

Mit tiefer Betroffenheit und großer Trauer hat der VLÖ die schmerzliche Nachricht vernommen, dass Veronika Haring am 2. Januar 2026 – nur wenige Tage vor ihrem 78. Geburtstag – nach kurzer, schwerer Krankheit für immer von uns gegangen ist.

Veronika Haring, geboren am 9. Januar 1948 in den Windischen Büheln, war die langjährige Obfrau des Kulturvereins deutschsprachiger Frauen »Brücken« in Marburg/Maribor. Ihr Tod reißt eine tiefe Wunde und hinterlässt einen Platz in unserer Mitte, der leer bleiben wird.

Veronika Haring

Sie war weit mehr als eine Funktionärin – sie war das Herz und die unersetzliche Säule der deutschsprachigen Volksgruppe in der Untersteiermark. Ihr Lebensweg zeugt von einer tiefen Hingabe an Sprache und Kultur: Nach Jahren in Graz, wo sie ihre Deutschkenntnisse perfektionierte, wirkte sie jahrzehntelang als Buchhändlerin und spätere Geschäftsführerin in Marburg. Ihre Liebe zur Literatur und ihr professioneller Hintergrund bildeten das Fundament für ihr späteres, weitreichendes kulturelles Wirken.

Als unermüdliche Kämpferin setzte sie sich zeitlebens mit Leidenschaft für die offizielle Anerkennung der deutschsprachigen Minderheit in Slowenien ein. Sie war eine Brückenbauerin par excellence, die es verstand, Gräben zwischen Kulturen, Sprachen und Generationen zu überwinden – eine Haltung, die sie auch durch ihre Vernetzung mit europäischen Verantwortungsträgern und Minderheitenvertretern lebte.

Im Jahr 2000 war sie Mitbegründerin des Kulturvereins »Frauen Brücken«. Unter ihrer visionären Führung entwickelte sich dieser Verein zu einer Institution, deren Bedeutung weit über die Landesgrenzen hinausreichte. Sie initiierte nicht nur Sprach- und Computerkurse sowie den international renommierten Kammerchor »Hugo Wolf«, sondern gab auch zweisprachige Jahrbücher heraus. Ein besonderer Meilenstein war ihr 2018 veröffentlichtes Werk »Das zweite Gesicht Marburgs: die verschwiegenen Gestalter der Marburger Kultur«, mit dem sie vergessenen Persönlichkeiten der Stadt ein Denkmal setzte.

Für ihre außerordentlichen Verdienste wurde Veronika Haring vielfach geehrt. Sie trug das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich (2018), das Goldene Ehrenzeichen des Landes Steiermark (2015) sowie den Mérite Européen in Silber (2016). Auch die Stadt Marburg würdigte sie 2021 mit der Ehrenmitgliedschaft im Bund der Kulturvereine.

Was bleibt, ist ein sichtbares und dauerhaftes Vermächtnis. Veronika Haring hat entscheidend dazu beigetragen, die kulturelle und muttersprachliche Gleichberechtigung voranzutreiben und die Identität der deutschsprachigen Minderheit in Slowenien zu bewahren.

Der gesamte VLÖ-Vorstand verneigt sich in Dankbarkeit vor ihrer Lebensleistung und spricht ihrer Familie – den zwei Töchtern und vier Enkelkindern – sein tief empfundenes Beileid aus. Wir werden Veronika Haring stets ein ehrendes Andenken bewahren.